Verfrühte Publikation

Weiterer Wirbel um noch nicht veröffentlichte Wind-Studie

Die verfrühte Veröffentlichung von Ergebnissen einer Studie zur Windenergie ist sowohl von der Deutschen Energie Agentur als auch dem Branchenverband BWE kritisiert worden. Zentrale Aussage des Zeitungsberichts: Die Versorgungssicherheit mit Strom sei schon heute wegen der Windenergie gefährdet.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Die optimale und langfristige Integration der Windenergie in den Strommix sorgt weiter für viel Wirbel. Medienberichte, wonach die Windkraft schon unter den geltenden Rahmenbedingungen das Risiko großflächiger Stromausfälle berge, wollte die Deutsche Energie Agentur (dena) so nicht bestätigen.

Bislang liege erst die vorläufige Fassung eines mehrfach überarbeiten Gutachtens vor, das von einem Konsortium unter Federführung des Energiewirtschaftlichen Instituts in Köln erarbeitet wurde, sagte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler am Montag im Gespräch mit ddp.vwd.

Die Agentur koordiniert und moderiert die Studie, an deren Erarbeitung die Stromversorger und Netzbetreiber, die Anlagenhersteller, der Bundesverband Windenergie (BWE) sowie die Bundesministerien für Wirtschaft und für Umwelt beteiligt sind. Dieses Papier werde gegenwärtig noch von zwei unabhängigen Gutachtern auf Plausibilität geprüft, betonte Kohler. Erst am kommenden Montag werde dann die Projektsteuerungsgruppe darüber beraten und mögliche Änderungen vornehmen. Eine Bewertung der Überlegungen und Vorschläge sei ihm zum jetzigen Zeitpunkt daher nicht möglich.

Geplant ist dem Vernehmen nach auch eine Zusammenfassung des gut 600 Seiten umfassenden Papiers durch die dena. Die Studie sollte ursprünglich schon im Sommer vorliegen, konnte jedoch wegen der konträren Positionen der im Konsortium vereinten Partner nicht termingerecht fertiggestellt werden. Als Betrachtungszeitraum für die Studie war zunächst 2020 vorgesehen, der zwischenzeitlich auf 2015 reduziert wurde.

Die "Berliner Zeitung" (Montagausgabe) hatte aus der bisher unveröffentlichten Studie des Konsortiums zitiert. In dem Bericht heißt es, die Versorgungssicherheit mit Strom sei schon heute wegen der Windenergie gefährdet und auch das europäische Hochspannungsnetz sei überfordert. Wegen des Ausbaus der Windkraft müsse bis 2015 allein ein Betrag von gut einer Milliarde Euro in das deutsche Hochspannungsnetz investiert werden.

Weitere zwei Milliarden Euro seien für den windkraftbedingten Netzausbau bis zum Jahr 2020 erforderlich. Dabei noch nicht berücksichtigt seien die auf gut 15 Milliarden Euro veranschlagten Anschlusskosten für die beabsichtigten Offshore-Windpark-Projekte in Nord- und Ostsee. Erhebliche Kosten entstünden zudem durch die notwendige Vorhaltung einer wachsenden Zahl von konventionellen Ersatzkraftwerken. Deren Leistung wird dann benötigt, wenn die Windkraftanlagen wegen Flaute oder Sturm abgeschaltet werden müssen.

Der Branchenverband BWE äußerte am Montag in Berlin sein Unverständnis über die Veröffentlichung von Details noch vor der Verabschiedung eines endgültigen Papiers. Es würden in dem Zeitungsbericht bereits Trendaussagen getroffen, die aus BWE-Sicht durch die Ausarbeitung so nicht gedeckt sind. Es sei dem Anliegen der Studie auch nicht dienlich, schon jetzt Einzelaussagen herauszugreifen, ohne die möglichst optimale Integration der Windkraft in den Mittelpunkt zu rücken.

Von Heinz Simon