Sabotageverdacht

Weiterer belgischer Atomreaktor abgeschaltet

In Belgien ist innerhalb weniger Monate die Hälfte der Atomstromproduktion des Landes wegen Reaktorproblemen ausgefallen. Der Reaktorblock Doel 4 bleibt bis Ende des Jahres außer Betrieb. Die Anlage war am 5. August nach einer Störung abgeschaltet worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Sabotage.

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Brüssel (AFP/dpa/red) - Am Donnerstag informierte der belgische Atomkraftwerksbetreiber Electrabel in einer Mitteilung über den langfristigen Ausfall eines dritten von insgesamt sieben Reaktoren. Damit fehlen dem Land nun 3000 von ursprünglich 5700 Megawatt Produktionskapazität aus Atomkraft. Belgien bezieht mehr als die Hälfte seines Strombedarfs aus Atomkraft. Die Behörden wollen nun einen Notfallplan für eventuelle Versorgungsengpässe ausarbeiten.

Verdacht auf Sabotage

Ursächlich für den Ausfall des Reaktors 4 im Atomkraftwerk Doel nahe Anvers ist nach Angaben von Electrabel ein Ölleck. Dadurch sei eine Hochdruckturbine schwer beschädigt worden. Eine oder mehrere Personen hätten rund 65.000 Liter Öl der Turbine im nicht-nuklearen Teil der Anlage auslaufen lassen, so dass diese sich überhitzt habe und automatisch stehen geblieben sei, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag unter Bezug auf Electrabel.

Schäden an weiteren Reaktoren

Der Reaktor bleibt damit nach Angaben des Betreibers mindestens bis Jahresende außer Betrieb. Genauere Einschätzungen dazu, wann der Block erneut in Betrieb gehen könnte, dürften nach einer eingehenden Untersuchung der Dampfturbine möglich sein, erklärte Electrabel laut Belga. Ende März mussten bereits Reaktor 3 des Kraftwerks Doel und Reaktor 2 des zweiten belgischen Atomkraftwerks in Tihange bei Lüttich wegen Schäden dauerhaft heruntergefahren werden. Auch diese Reaktoren werden wohl nicht vor dem Herbst wieder in Betrieb genommen.

Ältere Reaktoren könnten länger am Netz bleiben

Die Ausfälle stellen Belgiens Pläne zum Ausstieg aus der Atomkraft infrage. Die Reaktoren sollten nach einer Laufzeit von je 40 Jahren zwischen 2015 und 2025 abgeschaltet werden. Die Ausfälle betreffen aber ausgerechnet die neuesten Reaktoren, sodass die älteren womöglich länger als vorgesehen am Netz bleiben müssen.

Quelle: AFP