Radioaktiver Müll

Weitere rostige Fässer in Brunsbüttel gefunden

Im AKW Brunsbüttel wurden jetzt weitere rostige Fässer entdeckt. Bei Untersuchungen in den unterirdischen Depots des Atomkraftwerks wurden zehn Fässer gefunden, die schwach- und mittelradioaktiven Müll enthalten. Die Fässer sind nicht nur korrodiert, sondern weisen auch weitere Lager- und Abnutzungsspuren auf.

Atommüll© Thomas Bethge / Fotolia.com

Brunsbüttel (dpa/red) - Neben Korrosion und Lackschäden wurden auch Ablaufspuren und Ablagerungen am Fassmantel festgestellt, wie der Betreiber Vattenfall am Mittwoch mitteilte. Der Deckel eines Fasses ist nicht fest mit dem Spannring verbunden.

Atommüll-Fässer sind nicht dicht

Anders als in bisherigen Fällen sei der Inhalt von manchen Fässern ausgetreten, sagte Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch in Kiel. Auf einer Folie am Kavernenboden sei eine breiige Masse mit dem radioaktiven Stoff Cäsium 137 festgestellt worden. Wegen der meterdicken Betonwände bestehe weder für Mitarbeiter noch für die Bevölkerung Gefahr, versicherte Habeck. Auch ein Durchsickern ins Grundwasser sei ausgeschlossen.

Überprüfung aller Fässer bis 2015

Die Kieler Atomaufsicht hatte nach der Entdeckung eines rostigen Fasses Anfang 2012 angeordnet, dass der Betreiber Vattenfall alle sechs Kellerräume mit insgesamt 631 Fässern mit radioaktiven Abfällen inspiziert und ein Bergungskonzept entwickelt. Inzwischen wurden zahlreiche Schäden an Fässern festgestellt. Bis 2015 sollen alle Fässer überprüft sein.

Habeck forderte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) auf, bundesweit den Zustand von Atommüllfässern in vorläufigen Lagerstätten von Kernkraftwerken kontrollieren zu lassen. Nach dem Fund des ersten Rostfasses in Brunsbüttel 2012 habe der Bund zwar ein Meldesystem eingeführt. Bisher sei aber lediglich ein einziges weiteres defektes Fass aus Niedersachsen gemeldet worden.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministerium sagte, das Ministerium habe im März 2012 die Länder um Berichte zu den in ihrer Zuständigkeit lagernden radioaktiven Abfällen gebeten. Über vergleichbare Fälle hätten die zuständigen Landesbehörden bislang nicht berichtet.

Neuer Plan für die Bergung gefordert

Vom Betreiber forderte Habeck bis Ende September ein neues Bergungskonzept, um die Fässer "schnellstmöglich" aus den Lagerstätten, den Kavernen, zu holen und den Inhalt in endlagerfähige Container umzufüllen. Der bisherige Plan sei nicht mehr verlässlich, da die Deckel einiger Fässer defekt seien und diese nicht mehr von oben anzuheben seien.

Vattenfall-Sprecherin Sandra Kühberger sagte, die Beton-Kavernen seien sicher. Sie kündigte an, dass Vattenfall nach dem Inspizieren aller sechs Kavernen bis Anfang 2015 die Rostfässer bergen, in endlagerfähige Container umfüllen und zunächst in einer Halle des AKW Brunsbüttel aufbewahren werde - bis ein Transport nach Schacht Konrad möglich sei. Zur Forderung nach einem neuen Bergungssystem sagte Kühberger, dies werde in Absprache mit der Atomaufsicht weiterentwickelt.

Quelle: DPA