Pannenserie reißt nicht ab

Weitere Probleme beim Anfahren des AKW Brunsbüttel

Die Pannenserie in den von Vattenfall Europe betriebenen Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel in Schleswig-Holstein reißt nicht ab. Beim Wiederanfahren des Atomkraftwerkes Brunsbüttel gab es vor einer Woche erneut Probleme. Dies wurde aber erst letzten Freitag bekannt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Kiel/Brunsbüttel (ddp-nrd/sm) - Offenbar durch Fehlbedienungen des Personals kam es nach Angaben des Kieler Sozialministeriums gleich zwei Mal zu Absperrungen im Reaktorwasserreinigungssystem des AKW Brunsbüttel. Die Reaktoraufsichtsbehörde war von Vattenfall erst am Freitag über das meldepflichtige Ereignis informiert worden.

Nach Angaben des Betreibers wurde das System nach den Absperrungen kurzfristig wieder in Betrieb genommen. Die Absperrung habe keine relevanten betrieblichen oder sicherheitstechnischen Auswirkungen gehabt. Die Meldung sei in die Kategorie "N" (Normal) eingestuft worden. Gleichzeitig kündigte der Energiekonzern an, Berichte über meldepflichtige Ereignisse künftig aktuell ins Internet zu stellen.

Nach Angaben des Sozialministeriums hatte ein Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde am vergangenen Montag bei der Werksleitung in Brunsbüttel nachgefragt, ob es beim Wiederanfahren zu besonderen Vorkommnissen gekommen sei. Dies sei vom stellvertretenden Werksleiter verneint worden.

Unterdessen geht die Aufarbeitung der Vorfälle im AKW Krümmel weiter. Am Samstag hatte das Ministerium Vertreter von Vattenfall einbestellt. In dem Gespräch ging es insbesondere um Dioxinspuren in Luftfiltern des AKW. Diese sollen nach Vattenfall-Angaben unter den für Industrieanlagen zulässigen Werten liegen. Die Aufsichtsbehörde will trotzdem in der Umgebung des Atommeilers Boden- und Vegetationsproben entnehmen und analysieren lassen.

"Krisengipfel" in Kiel

In dem für heute geplanten bundesaufsichtlichen Gespräch in Kiel zwischen Vertretern des Kieler Sozialministeriums, des Bundesumweltministeriums, des Betreibers und Sachverständigen steht der detaillierte Ablauf der Schnellabschaltung von Krümmel im Mittelpunkt. Nach Ministeriumsangaben erklärte der Betreiber der Behörde am Samstag, dass es keine weiteren Vorfälle im Zusammenhang mit dem Störfall in Krümmel gibt, die der Behörde und der Öffentlichkeit noch nicht mitgeteilt worden sind. Außerdem geht es in dem Gespräch am Montag um die Rolle der Stromnetze bei den Schnellabschaltungen in Brunsbüttel und Krümmel.

Krümmel erst in drei Wochen wieder am Netz

Das AKW Krümmel soll nach dem Willen des Unternehmens frühestens in drei Wochen mit halber Leistung ans Netz gehen. So viel Zeit nähmen die Aufräumarbeiten und Überprüfungen der Anlage in Anspruch, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek. Vattenfall-Geschäftsführer Bruno Thomauske hatte am Freitag erklärt, der Wechsel des abgebrannten Trafos werde voraussichtlich weitere sechs Wochen in Anspruch nehmen.

Bei den schleswig-holsteinischen Grünen wurde dagegen die Froderung laut, Vattenfall die Betriebserlaubnis für Atomkraftwerke zu entziehen. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) forderte eine Aufhebung der Betriebsgenehmigung für Brunsbüttel und eine Verweigerung der geplanten Wiederinbetriebnahme des AKW Krümmel.