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Marodes AtommülllagerDer vermehrte Zufluss radioaktiv belasteter Lauge in das Atommülllager Asse hat die Debatte über die Bergung der radioaktiven Abfälle neu entfacht. Landesregierung und Opposition in Hannover forderten am Mittwoch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) auf, die Pläne zur Räumung des Bergwerks den neuen Umständen anzupassen.
Hannover/Remlingen (dapd/red) - Nach Ansicht der Behörde wird die Verdopplung der kontaminierten Lösung die Rückholung des Mülls aber nicht zusätzlich erschweren. "Wir müssen das Bergungskonzept nicht ändern, weil wir bislang schon vom schlimmsten Fall ausgegangen sind", sagte Behördensprecher Werner Nording.
Das niedersächsische Umweltministerium forderte das BfS auf, endlich ein Notfallkonzept mit Sofortmaßnahmen bei einem Laugeneinbruch in das Bergwerk vorzulegen. "Die vermehrten Laugenzuflüsse zeigen, dass das Bergwerk in Bewegung ist und dass ein Notfallkonzept unbedingt erforderlich ist", sagte Ministeriumssprecherin Jutta Kermer-Heye. Man habe das Notfallkonzept schon vor mehr als einem Jahr beim BfS angemahnt.
Auch die FDP im niedersächsischen Landtag sieht nach den neuen Erkenntnissen den Betreiber des Bergwerks unter Handlungsdruck.
(Foto / Abb.: Fotolia.com)
Das Bundesamt hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass sich die Menge der vor der Einlagerungskammer 8 aufgefangenen radioaktiven Lauge innerhalb eines Jahres von vier auf acht Liter täglich verdoppelt hat und die Lösung auch doppelt so stark mit radioaktivem Cäsium belastet ist. Zum ersten Mal flössen offenbar Zutrittswässer aus der Umgebung des Bergwerks direkt in eine Einlagerungskammer, sagte Nording.
Die SPD beantragte für Montag eine Sondersitzung des Umweltausschusses. "Die neuen Nachrichten aus dem maroden Atommülllager lassen vermuten, dass die Planungen des BfS bezüglich der Rückholung des Atommülls davon berührt sind", sagte Fraktionsvize Detlef Tanke. "Wir wollen wissen, inwieweit der Zeitplan beeinflusst wird und ob es gar neue Gefährdungen gibt."
Der FDP-Landtagsabgeordnete Björn Försterling mahnte eine zügige Bergung der radioaktiven Abfälle an. Die Planungen für die Rückholung der Abfälle müssten umgehend beginnen. Das BfS müsse sich darauf einrichten, aus durchfeuchteten Kammern kaputte Fässer herauszuholen, erklärte er. Das Amt habe auch zu prüfen, ob es mehr Wissenschaftler und mehr Personal brauche.
Nach Auffassung der Linken hat die Verdoppelung der Laugenzuflüsse "die Lage im Atommülllager Asse verschärft". Dort komme allerdings nicht zum ersten Mal von außen eindringendes Wasser mit radioaktivem Abfall Kontakt, sagte der Linken-Abgeordnete Kurt Herzog. Er bezweifelte, dass das Räumungskonzept des BfS ein "Worst-Case-Szenario" in Betracht ziehe. Schlimmstenfalls könne sich in den Kammern eine hoch kontaminierte "Laugensuppe" aus undichten Fässern bilden. "Das BfS muss das Versäumte schleunigst nachholen, einen Notfallplan vorlegen und ihn öffentlich machen", sagte er.
Die Grünen forderten das Umweltministerium auf, das Genehmigungsverfahren für die Probephase der Atommüll-Bergung zu beschleunigen. "Der Berg arbeitet und wartet nicht auf die Bürokratie", warnte Fraktionschef Stefan Wenzel. Ohne Genehmigung des Umweltministerium dürften die Arbeiten zur Rückholung des Atommülls nicht fortgesetzt werden. Das Ministerium dürfe Genehmigungen nicht erst nach zwei bis drei Monaten erteilen. Zur Beschleunigung müsse im Ministerium eine personell gut ausgestattete Stabsstelle Asse eingerichtet werden.
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