Intransparenz

Weiter Verwirrung um Mauern für Atommüll-Zwischenlager

Die geplanten Schutzmaßnahmen für alle 15 Atommüll-Zwischenlager in Deutschland sind auf Verwunderung und Besorgnis gestoßen. Offenbar sind Landräte und Bürgermeister von den Vorhaben überrascht worden. Weder die Politik noch die Betreiber hätten sie informiert, sondern Journalisten, hieß es etwa in Bayern.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Landshut/Heppenheim (dapd/red) - Der Landshuter Landrat Josef Eppeneder (CSU) fordert Aufklärung über mögliche Sicherheitsrisiken beim atomaren Zwischenlager des Kernkraftwerks Isar II. Angesichts der Anweisung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), die Zwischenlager für hoch radioaktiven Atommüll in Deutschland durch zusätzliche Schutzmaßnahmen sicherer zu machen, stellten sich "sehr viele Fragen", sagte Eppeneder der Nachrichtenagentur dapd.

Sicher oder nicht sicher?

"Warum im Nachhinein jetzt diese Ummauerung? Hat man neue Erkenntnisse im Bereich Sicherheit oder hat man Erkentnisse oder Befürchtungen wegen Terroranschlägen?" Der Landrat fügte hinzu: "Und dann stellt sich für mich noch die letzte Frage: Warum wurden der Landrat und der Bürgermeister nicht im Vorfeld informiert?" Diese Fragen wolle er jetzt beantwortet haben von den zuständigen Ministerien auf Bundes- und Landesebene.

Eppeneder zeigte sich "sehr verärgert" über den schlechten Informationsfluss. Weder die Politik noch der Betreiber hätten ihn und den Niederaichbacher Bürgermeister Josef Haselbeck (CSU) über die geplanten Mauern um die Zwischenlager informiert. Sie hätten davon von Journalisten erfahren. Dabei sei er doch als politisch Verantwortlicher verpflichtet, den Bürgern, die in der Nähe des Kernkraftwerks lebten, zu sagen, was geplant ist. Der Landrat warf den Ministerien in Bund und Land vor, eine solche Vorgehensweise schwäche das Vertrauen der Bürger in die Politik.

Landkreis Bergstraße fürchtet "weiteren Schritt in Richtung Endlager"

Der Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (CDU), hat die geplante Mauer um das Atommülll-Zwischenlager in Biblis scharf kritisiert. Sie biete weder Schutz vor Flugzeugabstürzen noch vor Terrorangriffen, da das Gebäude 18 Meter hoch sei, sagte Wilkes am Freitag in Heppenheim im Gespräch mit dapd. Er halte es außerdem für falsch, noch mehr Geld in Sicherheitslösungen zu investieren, fügte Wilkes hinzu. Das Bauvorhaben bezeichnete er als "weiteren Schritt in Richtung Endlager".

Das Bundesumweltministerium habe ihm noch vor wenigen Wochen auf Anfrage bestätigt, dass das Zwischenlager im gegenwärtigen Zustand vor Terrorangriffen sicher sei, sagte Wilkes dem Hessischen Rundfunk (HR). Die geplante Mauer spreche dafür, dass die Sicherheit doch nicht gewährleistet sei, kritisierte Wilkes im dapd-Gespräch. Der Frankfurter Flughafen sei nur fünf Flugminuten entfernt. Die Terrorgefahr durch Flugzeuge sei sicher ein Grund für die Nachrüstung der Mauer, so der Landrat.