Debatte

Weiter Streit um künftige Castoren-Lagerung

Baden-Württemberg wäre offenbar unter Umständen bereit, künftig Castoren zu übernehmen, die noch aus den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich oder Großbritannien nach Deutschland transportiert werden. Bayern lehnt das ab. In Hessen scheinen sich Umweltministerin Puttrich und Ministerpräsident Bouffier uneins zu sein.

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Frankfurt (Main) / Wiesbaden (dapd/red) - Bayern lehnt den Vorschlag strikt ab, Gorleben durch Lagerung der Atombehälter an süddeutschen AKW-Standorten zu entlasten. Das von Greenpeace stammende Konzept war von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) aufgegriffen worden.

Laut dem Stuttgarter Umweltministerium sind die Zwischenlager an den beiden AKW-Standorten im Land, Philippsburg und Neckarwestheim, derzeit so bemessen, dass sie nur die dort bis zur Stilllegung anfallenden radioaktiven Abfälle aufnehmen können. "Wir sehen deshalb keine großen Chancen für den Sander-Vorschlag", sagte ein Ministeriumssprecher der "Frankfurter Rundschau" (Donnerstagausgabe). Das bedeute aber "kein völliges Nein" zur dezentralen Zwischenlagerung. Er verwies darauf, dass ohnehin geprüft werde, ob die Castoren in Standort-Zwischenlagern enger gestellt werden könnten, da durch die AKW-Laufzeitverlängerung mehr abgebrannte Brennstäbe anfallen.

Die Wiesbadener Staatskanzlei hingegen bestritt am Donnerstag einen Widerspruch zwischen den Aussagen von Ministerpräsident Volker Bouffier und Umweltministerin Lucia Puttrich (beide CDU). Bouffier hatte sich im Hessischen Rundfunk (HR) offen für eine mögliche Lagerung von Atommüll in Hessen gezeigt. Dagegen hatte Puttrich zuvor unter Hinweis auf die Rechtslage das südhessische Kernkraftwerk Biblis definitiv als Standort für Castoren mit radioaktiven Abfällen ausgeschlossen. Grüne und Linke sprachen von einer aberwitzigen Situation und wirren Aussagen der Regierung.

Ablehnung kam auch aus Bayern: Die Lagerung von Material aus Wiederaufbereitungsanlagen sei in den AKW-Lagern nicht zugelassen. "Die Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ist eindeutig", sagte eine Sprecherin des Umweltressorts. Greenpeace-Sprecher Tobias Münchmeyer wies dies zurück: "Damit wird die Öffentlichkeit getäuscht." Die Genehmigung für die Zwischenlager ließen sich für Wiederaufbereitungs-Abfälle erweitern, dies habe man juristisch prüfen lassen.

Niedersachsens Umweltminister Sander hatte dafür plädiert, Alternativen zur Einlagerung der Castoren zu prüfen: "Der Protest wäre bestimmt weit geringer. Das würde Niedersachsen entlasten." Greenpeace argumentiert, die Hälfte des Atommülls stamme ursprünglich aus den AKW in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg, nur 20 Prozent aus Niedersachsen.