Erdkabel

Weiter Streit über unterirdische Stromleitungen

In Brandenburg gibt es Streit um ein neues Gesetz für unterirdische Hochspannungs-Stromleitungen. Inzwischen lehnen viele Bürger und auch Politiker neue Strommasten strikt ab und pochen auf eine Erdverkabelung. Das Problem: Die Verlegung ist teuer; die Strompreise könnten steigen.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Potsdam (dapd/red) - Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) forderte die Bundesregierung am Freitag auf, möglichst bald ein Gesetz vorzulegen, das die unterirdische Verlegung von 110-Kilovolt-Leitungen ermöglicht. CDU, FDP und Grüne riefen hingegen Christoffers auf, ein solches Gesetz auf Landesebene auszuarbeiten.

Im Norden Brandenburgs wollen Bürger und Lokalpolitiker, dass eine geplante Leitung zwischen Perleberg und Wittstock unter der Erde verlegt wird. Sie lehnen neue Masten entschieden ab, obwohl durch die Erdverlegung die Strompreise steigen könnten. Weil viele Stromtrassen länderübergreifend verliefen, sei es Sache des Bundes, dies zu regeln, sagte Christoffers. Seinen Angaben zufolge müssen allein in Brandenburg 1.000 Kilometer Hochspannungsleitungen mit 110 Kilovolt Spannung gebaut werden, hinzu kommen noch Höchstspannungsleitungen mit 380 Kilovolt.

Christoffers sieht Land nicht in der Pflicht

Experten seien unsicher, ob das Land allein ein Gesetz für die unterirdische Verlegung von Hochspannungsleitungen beschließen könne, sagte Christoffers. Im Falle der Höchstspannungsleitungen könne dies definitiv nur der Bund regeln.

Grünen-Fraktionschef Axel Vogel und die Energieexperten von CDU und FDP, Steeven Bretz und Gregor Beyer, widersprachen dem Minister. Ihrer Meinung nach hat das Land sehr wohl Kompetenzen für 110-Kilovolt Erdkabel. Nur für die Höchstspannungsleitungen sei der Bund zuständig, sagte Bretz. Beyer schränkte ein, die genaue Zuständigkeit sei strittig.

Eigenes Erdkabel-Gesetz soll Netzausbau schneller vorantreiben

"Brandenburg kann ein eigenes Erdkabel-Gesetz beschließen", sagte Bretz. Dieses Gesetz solle aber nicht dazu führen, dass Hochspannungsleitungen generell nur noch unterirdisch verlegt werden. "Wer Erdkabel fordert, der muss auch mit deutlich höheren Kosten rechnen". Dadurch könnten auch die Strompreise steigen, sagte Bretz.

Vogel und Beyer befürchten Verzögerungen beim Ausbau des Stromnetzes durch Christoffers' Ruf nach einer Bundesregelung. Auch der Minister ließ keinen Zweifel an der Notwendigkeit des Netzausbaus. Schon jetzt "stoßen die Netze an ihre Grenzen", sagte der Linke-Politiker.

In ganz Europa müssen Stromnetze im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien verstärkt werden, um Strom vom Erzeugungs- zum Verbrauchsort transportieren zu können. So kann viel Strom aus Windkraft an Nord- und Ostseeküste produziert werden. Um ihn aber in die Städte zu transportieren, sind mehr und bessere Stromleitungen nötig.

An Plänen für neue Stromtrassen entzünden sich immer wieder Proteste. So wehrte sich eine Bürgerinitiative zuletzt auch gegen eine geplante Leitung durch das Biosphärenreservat Schorfheide. Die Aktivisten befürchten eine Störung des Landschaftsbildes durch neue Strommasten sowie Gefahren durch Elektrosmog.