Buchvorstellung

Wegweisend: Ökologische Transformation der Energiewirtschaft

Der Sammelband basiert auf einem Workshop der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und umfasst Beiträge von Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen. Er stellt einzelne Bausteine für einen ökologischen Transformationsprozess der Energiewirtschaft vor und soll ein besseres Verständnis der Restriktionen fördern.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Im März 2005 veranstaltete die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) auf Initiative der Politologen Mischa Bechberger und Danyel Reiche einen Workshop, auf dem Experten unterschiedlicher Fachrichtungen die Erfolgsbedingungen eines ökologischen Transformationsprozesses in der Energiewirtschaft ("Übergang von der konventionellen fossil-nuklearen hin zu einer ökologisch basierten Energiewirtschaft") identifiziert haben. Die Beiträge der teilnehmenden Ingenieure, Ökonomen, Physiker und Politologen wurden jetzt in einem Sammelband zusammengefasst, der zum besseren Verständnis der Restriktionen eines ökologischen Transformationsprozesses ebenso wie zur Verbreitung der Faktoren, die zu ihrer Überwindung führen können, beitragen.

Auf 334 Seiten werden demnach verschiedene Aspekte des umfangreichen Themas beleuchtet, einzelne Bausteine eines möglichen Umwandlungsprozesses werden dargestellt. Sie umfassen die Durchsetzungsmöglichkeiten eines ökologischen Transformationsprozesses, die möglichen Akteure, die politischen Triebkräfte, die benötigten politischen und die benötigten technischen Rahmenbedingungen. Dabei sind die einzelnen Beiträge sehr komplex, umfassen sie doch die gewählte Methodik, den Untersuchungsgegenstand sowie die vorhandenen Realisierungs-Hindernisse. Man merkt, dass sich die Autoren einem aufwändigen Review-Prozess im Vorfeld von Veröffentlichung und Workshop stellen mussten.

Wer das Buch liest, und das werden vornehmlich die Energie-Entscheider aus den Umweltbereichen sein, wird feststellen, dass sich keine konkrete Definition des Begriffs "ökologische Transformation der Energiewirtschaft" finden lässt. Das sollte den Teilnehmern des Workshops eine breite und offene Herangehensweise an die Thematik ermöglichen, schreiben die Herausgeber in ihrer Einleitung. Um dem Leser die begriffliche Orientierung zu erleichtern, skizzieren sie an derselben Stelle, warum eine Notwendigkeit für einen derartigen Wandel in der Energiewirtschaft besteht: (1) Nutzung fossiler Energien verursacht externe Kosten, insbesondere Gesundheits- und Umweltschäden. (2) Fossile Energieträger sind nur noch begrenzt verfügbar. (3) Das Vorkommen fossiler Energieträger ist ungleich verteilt. Und (4) Das Streben nach der Kontroller über diese Energieträger ist häufig die Ursache für kriegerische Auseinandersetzungen.

Wie oben schon kurz beschrieben, beleuchten die verschiedenen Beiträge des Buches einzelne mögliche Bausteine einer Transformation hin zu mehr Ökologie in der Energiewirtschaft. So beschäftigt sich im Bereich der Durchsetzung etwa Ruth Brandt, Dotorandin an der Forschungsstelle für Umweltpolitik, mit der Förderung von Biokraftstoffen in Deutschland und Frankreich. Ines Steinhauer, Doktorandin am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung an der TU Berlin, proklamiert in ihrem Beitrag zur Offshore-Windenergie die Vermeidung und Minimierung von Interessenskonflikten. Im Bereich der Akteure wird beispielsweise von Matthias Corbach, Politikwissenschaftsstudent an der FU Berlin, die Anti-Atomkraft-Bewegung untersucht. Im Bereich der politischen Triebkräfte beschreibt die Diplom-Ingenieurin Maike Sippel das Kyoto-Instrument CDM und die Herausgeber Bechberger und Reiche beschäftigen sich mit den politischen Maßnahmen der EU zur Förderung regenerativer Energien. Politische Rahmenbedingungen werden von Annika Sohre, Umweltwissenschaftlerin, thematisiert. Das von ihr beschriebene Dilemma: Politik orientiert sich oftmals nur an kurzfristigen Ausrichtungen anstatt strategisch zu agieren. Und die technischen Rahmenbedingungen werden schließlich u.a. von den Ingenieuren Corinna Fischer und Barbara Praetorius beleuchtet, die sich etwa mit dem Mikro-KWK auseinandersetzen.

Alles in allem gibt das Buch einen sehr guten und fundierten Überblick, von wem und mit welchen Mitteln ein Umwandlungsprozess innerhalb der Energiewirtschaft vorangetrieben werden könnte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das der eine oder andere Energiewirtschaftler in den Führungsetagen auch mal zu Herzen nimmt.

Mischa Bechberger & Dr. Danyel Reiche (Hrsg.): Ökologische Transformation der Energiewirtschaft. Erschienen im Erich Schmidt Verlag, kostet 44,80 Euro. Weitere Infos und Bestellung: www.esv.info