Ölkopplung

WDR-Wirtschaftsmagazin: RWE liefert offenbar überteuertes Gas

Das Gasversorgungsunternehmen RWE Rhein-Ruhr soll nach Recherchen des WDR-Verbrauchermagazins "markt" offenbar jahrelang überteuertes Gas an große Wohnanlagen geliefert haben. Betroffen davon sind Tausende Mieter und Besitzer von Eigentumswohnungen im Rheinland, wie der WDR am Montag mitteilte.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln (ddp-nrw/sm) - Eine von "markt" erbetene Stellungnahme lag nach Angaben des Senders bis zum frühen Abend noch nicht vor. Dies wies ein RWE-Sprecher auf ddp-Anfrage zurück. Das Unternehmen habe sich schriftlich zu Fragen des WDR geäußert. In vielen Gaslieferverträgen der RWE Rhein-Ruhr mit den Verwaltungen der Wohnanlagen soll laut WDR der Gasversorger die Höhe des Gaspreises an die Höhe des Ölpreises gekoppelt haben. Dabei stieg der Gaspreis jedoch nicht im gleichen Verhältnis wie der Ölpreis, sondern wesentlich stärker an.

Als exemplarisch weist der Sender auf den Fall der Wohnanlage "Buchenhöhe" in Kerpen-Horrem hin: In knapp zwei Jahren ist der Ölpreis um 72 Prozent gestiegen. Das von RWE Rhein-Ruhr gelieferte Gas aber wurde im gleichen Zeitraum um 98 Prozent teurer. Der Gaspreis stieg damit um ein Drittel stärker als der Ölpreis. Für die etwa 1000 Bewohner der "Buchenhöhe" bedeutete das Mehrkosten von etwa 15 000 Euro allein im Jahr 2005.

Nach Informationen von "markt" bietet RWE Rhein-Ruhr - eine Tochterfirma des RWE-Konzerns in Essen - einigen Gaskunden, die diese Verträge beanstanden, inzwischen günstigere Tarife an. So habe der "Wohnpark Türnich" mit dem Versorger einen Liefervertrag mit deutlich niedrigeren Gaspreisen und einer sehr vorteilhaften Ölpreisformel ausgehandelt. Die Anlage bekommen das Gas nun knapp 20 Prozent billiger, und der Gaspreis steige langsamer als der Ölpreis. Für eine durchschnittliche Dreizimmerwohnung im "Wohnpark Türnich" bedeutet das eine jährliche Ersparnis von etwa 150 Euro.

Wenn RWE allen Kunden dieser Größenordnung ähnliche Preisabschläge einräumen müsste, dann würde das für den Konzern nach Angaben der WDR-Redaktion erhebliche Einnahmeverluste bedeuten. Außerdem könnte dem Unternehmen eine Klagewelle drohen, weil die Eigentümergemeinschaft der Wohnanlage "Buchenhöhe" erwägt, den Konzern auf Rückzahlung der überzogenen Gaskosten zu verklagen.

Dazu sagte der RWE-Sprecher, es sei in der Branche "gängige Praxis" mit Großkunden "individuelle Verträge" auszuhandeln. Insofern könne nichts beanstandet werden.