Hochfahren

Was passiert bei Aktivierung der "Kaltreserve"?

Keines der abgeschalteten Atomkraftwerke wird als Kaltreserve wieder angefahren werden, um eventuelle Stromengpässe zu überbrücken. Stattdessen sollen Gas- und Kohlekraftwerke im Notfall die Stabilität der Stromversorgung sichern. Was aber passiert genau, wenn die "eiserne Kraftwerks-Reserve" aktiviert werden muss?

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (afp/red) - Die Bundesnetzagentur und die für die Netzstabilität verantwortlichen vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben bei ihrer Risikoabschätzung Szenarien zugrunde gelegt, die an einem kalten Winterabend mit hohem bis sehr hohem Stromverbrauch spielen. In ihnen kommt es zusätzlich zum hohen Bedarf zum Ausfall fast der kompletten Stromproduktion aus Windkraft aufgrund von Flaute oder dem unvorhergesehenen Ausfall eines Atomkraftwerks. Ergänzende technische Defekte, etwa der Ausfall wichtiger Stromleitungen, sind auch berücksichtigt.

Schnelles Hochfahren des Kraftwerks im Notfall

Eine solche Situation kann dazu führen, dass Übertragungsnetzbetreiber in Reserve gehaltene Kraftwerke plötzlich hochfahren lassen müssen, um das Netz zu stabilisieren. Speziell als zusätzliche neue "Rettunganker" für die nächste kalte Jahreszeit vorgesehen sind nach Angaben der Bundesnetzagentur Block 3 des Großkraftwerks Mannheim, der bereits jetzt hin und wieder als Reserve genutzt wird, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden, Block 3 des Kraftwerks Ensdorf sowie künftig das Reservekraftwerk Freimann bei Münchnen. Weitere Reserven bilden außerdem österreichische Kraftwerkskapazitäten und Deutschlands größte Erdölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe, die ebenfalls Energie liefern kann.

Bei Anruf Strom

"Im Bedarfsfall rufe ich an und sage: Anwerfen bitte!", erklärte der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth die Abläufe im Hintergrund. Die Betreiber der überregionalen Netze, die die reibungslose Stromversorgung rund um die Uhr in Leitstellen überwachen, setzen sich dann im Rahmen des "Engpass-Managements" mit den Kraftwerksbetreibern in Verbindung und fordern zusätzlichen Strom an, den sie an den erforderlichen Stellen in das instabile Netz einspeisen lassen.

Ständiger Austausch nötig

Zwischen den Leitstellen der Netzbetreiber und der Kraftwerksbetreiber gibt es ohnehin ständigen Austausch, da die Aufrechterhaltung eines stabilen Netzes stets ein permanentes Regeln von Kraftwerksleistungen nötig macht. So gibt es auch heute unter anderem schon die sogenannte "Minutenreserve". Das ist bei Bedarf zusätzlich abrufbare elektrische Leistung, die von Netzbetreibern in der Regel täglich neu ausgeschrieben wird. Kraftwerksbetreiber verpflichten sich gegen Bezahlung vertraglich, diese Zusatzleistung spätestens 15 Minuten nach telefonischer Anweisung bereitzustellen, indem sie ihre Anlagen hochfahren.