Strom-News
HochfahrenKeines der abgeschalteten Atomkraftwerke wird als Kaltreserve wieder angefahren werden, um eventuelle Stromengpässe zu überbrücken. Stattdessen sollen Gas- und Kohlekraftwerke im Notfall die Stabilität der Stromversorgung sichern. Was aber passiert genau, wenn die "eiserne Kraftwerks-Reserve" aktiviert werden muss?
Hamburg (afp/red) - Die Bundesnetzagentur und die für die Netzstabilität verantwortlichen vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben bei ihrer Risikoabschätzung Szenarien zugrunde gelegt, die an einem kalten Winterabend mit hohem bis sehr hohem Stromverbrauch spielen. In ihnen kommt es zusätzlich zum hohen Bedarf zum Ausfall fast der kompletten Stromproduktion aus Windkraft aufgrund von Flaute oder dem unvorhergesehenen Ausfall eines Atomkraftwerks. Ergänzende technische Defekte, etwa der Ausfall wichtiger Stromleitungen, sind auch berücksichtigt.
Eine solche Situation kann dazu führen, dass Übertragungsnetzbetreiber in Reserve gehaltene Kraftwerke plötzlich hochfahren lassen müssen, um das Netz zu stabilisieren. Speziell als zusätzliche neue "Rettunganker" für die nächste kalte Jahreszeit vorgesehen sind nach Angaben der Bundesnetzagentur Block 3 des Großkraftwerks Mannheim, der bereits jetzt hin und wieder als Reserve genutzt wird, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden, Block 3 des Kraftwerks Ensdorf sowie künftig das Reservekraftwerk Freimann bei Münchnen. Weitere Reserven bilden außerdem österreichische Kraftwerkskapazitäten und Deutschlands größte Erdölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe, die ebenfalls Energie liefern kann.
"Im Bedarfsfall rufe ich an und sage: Anwerfen bitte!", erklärte der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth die Abläufe im Hintergrund. Die Betreiber der überregionalen Netze, die die reibungslose Stromversorgung rund um die Uhr in Leitstellen überwachen, setzen sich dann im Rahmen des "Engpass-Managements" mit den Kraftwerksbetreibern in Verbindung und fordern zusätzlichen Strom an, den sie an den erforderlichen Stellen in das instabile Netz einspeisen lassen.
Zwischen den Leitstellen der Netzbetreiber und der Kraftwerksbetreiber gibt es ohnehin ständigen Austausch, da die Aufrechterhaltung eines stabilen Netzes stets ein permanentes Regeln von Kraftwerksleistungen nötig macht. So gibt es auch heute unter anderem schon die sogenannte "Minutenreserve". Das ist bei Bedarf zusätzlich abrufbare elektrische Leistung, die von Netzbetreibern in der Regel täglich neu ausgeschrieben wird. Kraftwerksbetreiber verpflichten sich gegen Bezahlung vertraglich, diese Zusatzleistung spätestens 15 Minuten nach telefonischer Anweisung bereitzustellen, indem sie ihre Anlagen hochfahren.
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Die Bundesnetzagentur verzichtet auf die Nutzung eines stillgelegten Atomkraftwerks als Reserve für mögliche Stromengpässe im Winter. Dies sei für die Stabilität des Netzbetriebs nicht notwendig, teilte die Behörde am Mittwoch in Berlin mit. Im Notfall sollen Kohlekraftwerke Strom liefern.
Nach der Abschaltung von acht deutschen Atomkraftwerken steht das Großkraftwerk Mannheim (GKM) als Reserve bei Stromversorgungsenpässen zur Verfügung. Damit scheint sich die Frage nach einer atomaren Kaltreserve ganz offenbar nicht mehr zu stellen.
Das Atomkraftwerk Biblis B soll nach Ansicht der hessischen Umweltministerin Lucia Puttrich nie wieder ans Netz gehen. "Wir wollen Biblis B als Kaltreserve nicht", sagte die CDU-Politikerin am Montag in Wiesbaden. Der Meiler ist laut einem Bericht stark störanfällig beim Wiederanfahren.
Nach dem Atomausstieg könnte Deutschland bei Versorgungsengpässen im Winter einem Zeitungsbericht zufolge Strom aus Österreich beziehen. Wie die österreichische Zeitung "Kurier" am Samstag berichtet, habe die Bundesnetzagentur bei acht österreichischen Energieversorgern angefragt, ob sie im Notfall zu Lieferungen bereit wären.
Deutschland droht nach Ansicht der Grünen in den kommenden Jahren trotz der Abschaltung der ältesten acht Atomkraftwerke kein Engpass in der Stromversorgung. Es seien genügend Gas- und Kohlekraftwerke bereits im Bau oder genehmigt, um den Wegfall der AKW abzufangen.Strompreise vergleichen
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