Kommentar

Was bringt der Wechsel des Gasanbieters?

Natürlich wird sich durch den gestern vom Bundeskartellamt erzielten Kompromiss mit sieben Gasversorgern, einen Gasanbieterwechsel schon ab 1. April zu ermöglichen, nicht schlagartig der Preis nach unten bewegen. Aber jetzt haben es auch die Verbraucher in der Hand. Ein Playdoyer für mehr Mut!

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Wetzlar (red) - Seit gestern ist klar: Die Öffnung des deutschen Gasmarktes kommt früher als geplant. Ab April können zumindest die Verbraucher in Thüringen, Sachsen-Anhalt, München, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Brandenburg und im Rhein-Neckar Raum ihren Anbieter wechseln und so möglicherweise in den Genuss niedrigerer Preise kommen.

Dazu haben sich die sieben großen Versorger E.ON Thüringer Energie AG, E.ON Avacon, Thüga, RWE Westfalen-Weser-Ems, Mitgas, Spreegas und Entega gestern auf Druck des Bundeskartellamts verpflichtet. Im Gegenzug stellte die Bonner Behörde im Januar eingeleitete Missbrauchsverfahren wegen drastischer Preiserhöhungen gegen die Unternehmen ein. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und die Bundesnetzagentur begrüßten die Entscheidung.

"Der Markt und die Wechselbereitschaft des Verbrauchers werden über den Erfolg dieses vom Bundeskartellamt angestoßenen Modells entscheiden", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos gestern. Und er hat recht: Umso mehr Verbraucher von der neuartigen Möglichkeit Gebrauch machen - selbst wenn die Ersparnisse zu Beginn nicht riesig sein werden - umso schneller wird sich Wettbewerb auch im Gasmarkt einstellen. All diejenigen, die sich über die Preispolitik ihres Versorgers ärgern, sich eventuell gar gerichtlich dagegen zur Wehr gesetzt haben, sollten das kleine Stückchen Wettbewerb auf jeden Fall nutzen.

Daher sollten Verbraucherschützer und Verbraucherzentralen die deutschen Gasnutzer ermutigen, über den Wechsel des Anbieters nachzudenken. Unkenrufe und desillusionierende Phrasen wie "Wettbewerb sei nicht in Sicht" sind momentan fehl am Platz. Denn nur wenn fremde Anbieter neue Kunden gewinnen können, werden sie attraktive Produkte anbieten. Und wenn der Wettbewerb genutzt wird, sinken mittelfristig auch die Preise.

Und dass sich die deutschen Gasverbraucher gegen die willkürliche Preisepolitik ihrer Energieversorger zur Wehr setzen können und wollen, haben sie ja schon bewiesen als es darum ging, die Erhöhungen zu verweigern. Jetzt müssen sie nur noch einen Schritt weitergehen. Und das dürfte doch wohl die geringste Herausforderung sein!