Herunterkühlen

Was beim Abschalten eines Atomkraftwerks passiert

Das Herunterfahren eines Atommeilers ist nicht mit dem Abschalten einer Maschine vergleichbar, die schnell ihren Ruhezustand erreicht. Denn es kann bis zu fünf Jahre dauern, bis die Brennstäbe so weit heruntergekühlt sind, dass sie in ein Zwischenlager transportiert werden können.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Als Reaktion auf die Reaktorkatastrophe in Japan sollen die 7 ältesten der 17 deutschen Atomkraftwerke mit sofortiger Wirkung vom Netz gehen. Betroffen sind die Meiler Biblis A und B, Neckarwestheim 1, Brunsbüttel, Isar 1 sowie Unterweser und Philippsburg 1. Alle sind vor Ende 1980 in Betrieb gegangen.

Um ein Atomkraftwerk stillzulegen, muss die Uran-Spaltung zur Energiegewinnung im Kern eines Reaktors gestoppt werden. Hierfür würden in das Becken mit den Brennstäben so genannte Steuerstäbe eingeführt, die jene Neutronen einfingen, die die Uran-Spaltung auslösten, erklärt Greenpeace-Sprecher Stefan Krug der dapd am Mittwoch in Berlin.

Dieser Vorgang unterbricht die Kettenreaktion zur Energieerzeugung in einem Kraftwerk zwar recht schnell. Er lässt ein Atomkraftwerk damit aber nicht von heute auf morgen harmlos werden. Denn die Brennstäbe bleiben auch in einem heruntergefahrenen Kraftwerk noch sehr heiß und müssen ein bis fünf Jahre in einem Abklingbecken außerhalb des Reaktors gekühlt werden. Nur damit kann ein Schmelzen der Brennstäbe und eine Freisetzung von Radioaktivität vermieden werden.

Erst wenn die Brennstäbe auf eine Temperatur von etwa 400 bis 500 Grad heruntergekühlt worden sind, können sie in Castor-Behältern in ein Zwischen- oder Endlager transportiert werden.