Umstrittener Klimaschutz

Was bedeutet das EU-Klimapaket für Bürger und Industrie?

Bessere Luft gegen einen Klima-Obulus von Bürgern und Unternehmen - das sehen die Klimabeschlüsse vor, die der EU-Gipfel am Freitag in Brüssel fällte. Lesen Sie hier einen Überblick über die Klimapläne der Europäischen Union.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Brüssel (AFP/sm) - Mit dem Klima- und Energiepaket will die EU den Ausstoß von CO2 bis 2020 um ein Fünftel im Vergleich zu 1990 senken. Das hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2007 unter ihrem EU-Vorsitz durchgesetzt. Einigt sich die Weltgemeinschaft Ende 2009 in Kopenhagen auf ein neues internationales Klimaabkommen, will die EU sogar 30 Prozent erreichen.

Mehr Öko-Energien und mehr Energieeffizienz

Der Anteil von Öko-Energieträgern am Gesamtverbrauch soll bis 2020 auf durchschnittlich 20 Prozent steigen. Deutschland soll den Anteil "grüner" Energie auf 18 Prozent verdoppeln. Mit Biosprit und Elektroautos soll der Verbrauch von Benzin und Diesel um ein Zehntel sinken.

Darüber hinaus soll Energie um 20 Prozent effizienter genutzt werden. Dafür soll etwa die Glühbirne im Herbst 2012 zugunsten von Energiesparlampen aus den Läden verschwinden.

Emissionshandel und "CO2-freie" Kohlekraftwerke

Der Gipfel schwächte den Plan ab, ab 2013 den Großteil der Verschmutzungsrechte an die Industrie zu verkaufen. Deutschland erreichte Gratis-Verschmutzungsrechte für Teile der Schwerindustrie wie Chemie- und Stahlunternehmen. Auch die veralteten Kohlekraftwerke Polens erhalten kostenlose Rechte. Zudem finanzieren EU-Länder wie Deutschland Klima-Investitionen in Osteuropa über eine Art "CO2-Soli" mit.

Die EU will den Bau sogenannter CO2-freier Kohlekraftwerke fördern. Bis 2015 sind bis zu zwölf Pilotprojekte zur CO2-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture Storage) geplant. Umweltschützer kritisieren die Technik, mit der Kohlenstoff herausgefiltert und in Hohlräume unter der Erde gepresst wird. In Deutschland gibt es Versuchsmodelle.

Saubere Autos

Wer ab 2012 einen Neuwagen kauft, kann mit geringeren Spritkosten rechnen. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß für Neuwagen wird auf 120 Gramm pro Kilometer gedeckelt, ein Viertel weniger als bisher. Auf Druck Deutschlands müssen die Hersteller dies erst 2015 vollständig umsetzen. Geldstrafen drohen erst ab 2019 in voller Höhe.

Auch für Alltagsbereiche wie Verkehr und Gebäude sollen erstmals Klimaauflagen gelten. Wohlhabende Länder sind stärker gefordert. Deutschland muss bis 2020 bei Gebäuden, in der Landwirtschaft, beim Verkehr sowie beim Abfall rund 14 Prozent CO2 im Vergleich zu 2005 einsparen; Polen darf den CO2-Ausstoß dagegen um 14 Prozent steigern, Bulgarien sogar um 20 Prozent.

Klimaschutz für drei Euro pro Woche

Nach Angaben der EU-Kommission wird der Klimaschutz jeden Bürger drei Euro pro Woche kosten. Die Gesamtrechnung für die EU liegt bei mindestens 60 Milliarden Euro pro Jahr. Zugleich sollen die Öko-Technologien Millionen Arbeitsplätze in ganz Europa schaffen.