Nachgerechnet

Warum Wessis oft weniger für Strom zahlen

Arbeitslosigkeit und Single-Dasein können den Stromverbrauch in die Höhe treiben. Beides gehört mit zu den Faktoren, weswegen die Bewohner einiger Bundesländer Westdeutschlands weniger für ihren Strom zahlen als viele Bundesbürger, die im Osten leben.

stromabrechnungEin Vergleich von Verivox zeigt: Der Stromverbrauch ist im Osten tendenziell höher als im Westen.© Petra Beerhalter/ fotolia.com

Heidelberg - Die Strompreise in den neuen Bundesländern sind durchschnittlich höher als in den alten. Hinzu kommt: Auch der Stromverbrauch pro Kopf ist höher. Das ergibt eine Auswertung des unabhängigen Verbraucherportals Verivox.

An der Spitze liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 1.785 Kilowattstunden (kWh), gefolgt von Sachsen-Anhalt und Sachsen (1.781 kWh). Am wenigsten Strom wird in Baden-Württemberg verbraucht (1.633 kWh). Für die Unterschiede im Stromverbrauch zwischen den Bundesländern gibt es viele Gründe.

Niedriger Stromverbrauch: Wenige Singles in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz gibt es im Bundesvergleich weniger Single-Haushalte. Wer gemeinsam Fernsehen schaut und sich Kühlschrank und Gefriertruhe teilt, verbraucht automatisch weniger Strom. Daher verbraucht ein Drei-Personen-Haushalt im Durchschnitt etwa so viel wie zwei Single-Haushalte.

Arbeitslosigkeit treibt Verbrauch in die Höhe

Auch der Anteil der Erwerbstätigen spielt eine Rolle – wer tagsüber am Arbeitsplatz ist, verbraucht zu Hause weniger Strom. In Baden-Württemberg und Bayern ist die Arbeitslosigkeit niedrig und der Anteil der Erwerbstätigen liegt über 50 Prozent. In den neuen Bundesländern ist die Bevölkerung älter und der Anteil der Rentner entsprechend höher.

Teure Altgeräte fressen Strom

Nicht zuletzt kommt es auch auf das Alter der elektrischen Ausstattung an. Alte Geräte verbrauchen oft mehr Strom als neue energieeffiziente Modelle. Die sind zwar häufig teurer in der Anschaffung, dafür sind sie im Betrieb günstiger. So verbraucht beispielsweise ein aktueller Kühlschrank oft nur halb so viel Strom wie ein typisches 10 Jahre altes Modell.

Unterschiedlich hohe Netzentgelte beeinflussen Strompreise stark

Die Bundesländer unterscheiden sich bei den durchschnittlichen Strompreisen durch die verschieden hohen Netzentgelte, die in der jeweiligen Region anfallen. Am günstigsten sind sie in Bremen und Bayern, am teuersten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Auf den durchschnittlichen Stromverbrauch pro Kopf umgerechnet ergeben sich für Bayern 430 Euro pro Jahr, gefolgt von Niedersachsen (438 Euro), Hessen (445 Euro) und Baden-Württemberg (452 Euro). Die höchsten Stromkosten pro Kopf gibt es in Berlin (499 Euro), Thüringen (495 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (494 Euro).