Scharfe Kritik

Warmer Pullover: Empörung über Sarrazins Energiespartipps

Wegen einer provokanten Äußerung zum Energiesparen hat Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) heftige Kritik geerntet. Der Deutsche Mieterbund sprach von einem gesundheitsgefährdenden Vorschlag. Der DGB bezeichnete Sarrazins Worte als "menschenverachtend". Der Finanzsenator wies die Kritik zurück.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Nach Einschätzung des Deutschen Mieterbundes wird bei dieser Zimmertemperatur die Grenze zur Gesundheitsgefährdung überschritten. Der stellvertretende Mieterbunddirektor Lukas Siebenkotten wies zudem darauf hin, dass Feuchtigkeitsschäden und Schimmel drohten, wenn die Wohnung nicht ausreichend geheizt werde. Mieter hätten dann sogar mit Schadenersatzforderungen ihrer Vermieter zu rechnen.

SPD-Bundestagsfraktionsvize Ulrich Kelber bezeichnete den Beitrag seines Parteikollegen zur Energiepreisdebatte als "Schmarrn". Wer Kleinkinder hat oder etwas empfindlicher ist, kann die Temperatur im Badezimmer ja nicht auf 15 Grad herunterdrehen", sagte Kelber.

Sarrazin verteidigt Äußerung zum Energiesparen

Sarrazin sagte zu den Stimmen der Kritiker, jedes Wort sei "wohl abgewogen" gewesen. Gegen steigende Energiepreise könne der Staat gar nichts ausrichten. Insofern werde vielen Menschen in einigen Jahren nichts anderes übrigbleiben, als die Heizung herunterzudrehen. Aus Ärger über die Preise habe er dies selbst schon im vergangenen Winter gemacht. Deshalb habe er jetzt im Gegensatz zu früheren Jahren noch einen stattlichen Rest Öl im Tank, betonte Sarrazin.

Der Berliner Finanzsenator ist bereits mehrfach wegen provokanter Sprüche aufgefallen. Umwelt-Staatssekretär Michael Müller (SPD) sagte, "Sarrazins Sprüche sind flott, aber wenig hilfreich." Nach Ansicht der Linken werden die Intervalle zwischen Sarrazins Verbalausfällen immer kürzer.

Der DGB forderte Sarrazin zum Rücktritt auf. Er verletze in einer Tour die Schwächsten der Gesellschaft, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

In einem Interview mit der "Rheinischen Post" hatte der SPD-Politiker gesagt: "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können."