Laufzeitenverlängerung

Wa(h)lkampf: Erzählt die CDU Atomenergie-Märchen?

Die Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken ist zum Wahlkampfthema geworden. Während sich die Union Stimmen mit dem Versprechen sinkender Strompreise "erkauft", halten Umweltbundesamtschef Troge und die Grünen dagegen: Die Union erzähle Atomenergie-Märchen, heißt es.

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Berlin (red) - Die Christdemokraten haben ihre Atomenergiepolitik auch gegen Kritik aus den eigenen Reihen verteidigt. Die von CDU-Mitglied und Umweltbundesamtschef Andreas Troge geäußerte Warnung vor einer Abkehr vom Ausstieg wurden mit Mottenkisten-Vorwürfen abgebügelt. Diese Vorgänge zeigen laut Winfried Hermann, umweltpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, "auf welchem erbärmlichen Argumentationsniveau sich die Union bewegt". Seiner Meinung nach erzählt die Union Märchen, wenn sie Strompreissenkungen bei Laufzeitenverlängerung in Aussicht stellt.

Erstes Märchen: Längere Laufzeiten von AKW führen zu Strompreissenkungen

"Die Laufzeitverlängerungen werden nicht zu sinkenden Strompreisen führen", erläuterte Hermann seine Argumentation. Das hätten die Stromkonzerne selbst in den letzten Wochen deutlich gemacht. Offensichtlich sei hingegen, dass längere Laufzeiten auch mit höheren Kosten verbunden sein werden: Zum Beispiel für Nachrüstungen oder die Entsorgung des Atommülls. Profitieren würden einzig die Aktionäre der großen Stromkonzerne.

Zweites Märchen: Atomenergie ist die billigste Energie

Die Subventionen für die deutsche Atomkraft schätzen Experten auf mittlerweile über 100 Milliarden Euro, so Hermann weiter. Bis heute würden die Betreiber Steuerfreiheit für die Entsorgungsrückstellungen und Rabatte bei der Versicherung von möglichen Schäden genießen. Externe Effekte der Atomenergie, also Kosten für Umweltverschmutzungen, radioaktive Verseuchung und Gesundheitsgefährdungen blieben unberücksichtigt. "Die Atomenergie kann im liberalisierten Energiemarkt mit den anderen Energien nicht konkurrieren", ist sich Hermann sicher. Nur alte, abgeschriebene Anlagen könnten dies, würden allerdings auch ein steigendes Sicherheitsrisiko bedeuten.

Drittes Märchen: Klimaschutz nur mit Atomenergie möglich

Auch AKWs produzierten über die gesamte Produktions- und Entsorgungskette Kohlendioxid-Mengen. Und selbst wenn ab sofort weltweit alle verfügbaren Mittel in den Ausbau der Atomenergie gelenkt würden, wäre laut Hermann der Effekt auf den globalen Treibhausgas-Ausstoß marginal. Allein in Deutschland müssten für eine Klimaschutz-Strategie nach Berechnungen der Energie-Enquete-Kommission des 14. Bundestages 70 bis 90 neue AKW zugebaut werden.

Viertes Märchen: Erneuerbare Energien können Atomkraft nicht ersetzen

"Mit dem EEG haben wir es geschafft, den Anteil erneuerbare Energien in wenigen Jahren auf etwa zehn Prozent zu steigern. Wenn wir etwa im Jahre 2020 das letzte AKW vom Netz nehmen, werden wir mit einem Anteil von 25 Prozent fast allein durch Wind, Wasser, Biomasse, Erdwärme und Solarenergie den Atomstrom ersetzen können", zeigte sich Hermann von dem eingeschlagenen Weg überzeugt.