Sanierungsprobleme

Wärmedämmung und Schallschutz können gegenläufig sein

Schallschutz und Wärmedämmung sind etwas grundsätzlich Verschiedenes und können sich richtiggehend ausschließen. Denn für Schalldämmung braucht man ein möglichst hohes Gewicht, für Wärmedämmung hingegen benötigt man möglichst leichte Baustoffe, die viel Luft enthalten.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

München/Offenbach (dapd/red) - Vor dem Haus lärmt der Verkehr, das Nachbarskind quält seine Geige und in der Wohnung ein Stockwerk höher scheint eine Elefantenherde zu leben - Lärm kann quälend sein. Dabei komme es gar nicht nur auf die Lautstärke an, sagt der auf Lärmschutz spezialisierte Ingenieur Gerhard Steger aus München: "Lärm ist die psychologische Komponente des physikalischen Phänomens Geräusch. Ob ein Geräusch Lärm ist, hängt von der Wahrnehmung und Bewertung durch den Betroffenen ab, nicht vom Geräuschpegel. Auch Geräusche, die kaum messbar sind, können Menschen hochgradig belasten, während viel lautere gar nicht stören."

Der gegenläufige Effekt

Lärm von draußen sei dabei weniger problematisch: Man könne das Problem durch Schalldämmung der Gebäudehülle gut lösen. "Allerdings kann es dadurch zu Schwierigkeiten mit dem Luftaustausch kommen, also zu erhöhten CO2-Werten oder zu Schimmelbildung", sagt Steger und rät, einen Haustechnikplaner oder Schallschutzexperten zurate zu ziehen, statt sich mit einer Einzelmaßnahme wie neuen Fenstern zu behelfen.

Verstärkt werde das Lärmproblem durch veränderte Bauweisen aufgrund der Energieeinsparverordnung: "Wärme- und Schalldämmung sind gegenläufige Effekte. Für Schalldämmung braucht man ein möglichst hohes Gewicht, für Wärmedämmung braucht man möglichst leichte Baustoffe, die viel Luft enthalten. Je besser die Schalldämmung, desto schlechter also die Wärmedämmung und umgekehrt", erläutert der Ingenieur. Dieser Effekt betreffe auch die Innengeräusche in einem Haus. "Die leichten Baustoffe leiten Schall sehr gut weiter, man hat also eine gute Schallübertragung von einem Raum zu anderen, auch von oben nach unten."

Unbefriedigende DIN-Norm

Das sei besonders in Mehrfamilienhäusern ein Problem. Von Beschreibungen wie "guter Schallschutz nach DIN" dürfe man sich nicht blenden lassen, sagt der Lärmexperte: "Der Bundesgerichtshof hat bereits mehrfach entschieden, dass die Mindestanforderungen der DIN 4109 nicht mehr dem heute üblichen Wohnkomfort entsprechen." Häufig entstünden auch neue Lärmprobleme durch den Wechsel des Bodenbelags: "In den 60er Jahren hat man Teppich als Schallschutz verlegt und in diesen Gebäuden entstehen jetzt Probleme, weil Teppiche oft durch Laminat ersetzt werden. Und dann hat der Nachbar, der darunter wohnt, auf einmal einen unglaublichen Lärmpegel." Gegen Trittschall lasse sich mit richtig verlegtem Bodenbelag zwar viel ausrichten, aber nicht jeden Lärm könne man durch bauliche Maßnahmen fernhalten: "Wenn Sie in einer Etagenwohnung leben und ein Instrument spielen, dann hört ihr Nachbar in der Zeit Musik, das können Sie nicht verhindern." Da helfe nur die zeitliche Einschränkung.