Vossnet zieht Preise an: Kilowattstunde kostet 18,6 Pfennig, monatliche Grundgebühr steigt um fünf Mark

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Der originäre Internet-Provider und Stromanbieter Vossnet zieht die Preise an: Auf Grund der angehobenen Stromsteuer wird das Unternehmen die Kilowattstunde künftig für 18,6 anstatt wie bisher für 18 Pfennig offerieren - nicht ungewöhnlich angesichts der Tatsache, dass sich augenblicklich zahlreiche Energieversorger genötigt sehen, diese unpopuläre Mehrbelastung an ihre Kunden weiterzugeben. Eine andere Nachricht aus der Bremer Vossnet-Zentrale lässt derweil aufhorchen: Vossnet erhöht die monatliche Grundgebühr von bislang 9,90 auf 14,90 Mark - eine Preissteigerung um satte 50 Prozent, die allerdings nur Neukunden betrifft. Für Verbraucher, die Vossnet in den vergangenen fünf Monaten bereits mit der Stromlieferung beauftragt haben, bleibt die Grundgebühr unverändert bei 9,90 Mark, wie das Unternehmen heute versicherte. Der höhere Verbrauchspreis indes betrifft wohlgemerkt alle Kunden. Verbraucher, die in den Neuen Bundesländern wohnen, müssen wegen des Braunkohleschutzabkommens nach wie vor 3,5 Pfennige mehr zahlen.



Die Preissteigerung beweist, dass es Vossnet offensichtlich schwer fällt, zu den bisherigen Konditionen einen Stromlieferanten zu finden. Lieferantenverträge stünden kurz vor Abschluss, seien aber noch nicht unterzeichnet, sagte der Presseagent der Vossnet Communications GmbH, Carsten Borgmeier, heute gegenüber dem strom magazin. Den betreffenden Lieferanten will das Unternehmen Mitte dieses Monats im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellen. Vernehmungen zufolge soll ein Anbieter aus Österreich zur Diskussion stehen - das aber wollte Borgmeier nicht bestätigen. Interessant allemal der Umstand, dass die Liberalisierung des Strommarkts in Österreich noch gar nicht so weit fortgeschritten ist - man darf gespannt sein, wie Vossnet diesbezüglich vor die Öffentlichkeit tritt.



Um die Versorgung der eigenen Kunden sicherzustellen, hat Vossnet mittlerweile selbst Kontakte zu solchen Stromanbietern aufgenommen, die keinen eigenen Strom erzeugen, sondern diesen - wie Vossnet auch - lediglich vertreiben. In einem dem strom magazin vorliegenden Schreiben an eine andere Vertriebsgesellschaft heißt es: "Für unsere Haushaltskunden in Ihrem Versorgungsgebiet benötigen wir weitere Stromlieferanten. Bitte erstellen Sie für uns kurzfristig ein Bereitstellungsangebot (...) Wir bedanken uns für Ihre Bemühungen im Voraus und werden uns umgehenden nach Eingang Ihres Angebotes melden". Das zeigt zum einen, dass Vossnet händeringend nach Lieferanten sucht, zum anderen steht das Unternehmen mit den Kerngeschäften Internet und Telekommunikation offensichtlich unter Druck - schließlich müssen die ersten Kunden bereits im Februar dieses Jahres beliefert werden. Ein Angebot der Kölner Kawatt AG, die Vossnet-Kunden zu den Konditionen der Kawatt zu übernehmen (das strom magazin berichtete exklusiv, lesen Sie hier). Zum aktuellen Stand der Ermittlungen wollte sich de Boer nicht äußern: "Es gibt nichts Neues".



Vossnet hat auf Grund der turbulenten Ereignisse in den vergangenen Wochen rund 5000 Kunden verloren, wie Borgmeier freimütig eingestand. Da aber täglich neue Einträge in der Bremer Zentrale eingingen, habe man "definitiv vielleicht 1000 Kunden" verloren, sagte der Vossnet-Sprecher, der heute Vormittag übrigens noch nicht über die neuen Preise informiert war. Diese wurden zuerst auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlicht - offenkundig ohne Wissen des Pressesprechers.



Günstigster bundesweiter Stromanbieter bei einem angenommen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden im Jahr ist nunmehr der Anbieter "Zweitausend-Stromvertrieb" (Minden), der bei besagten 4000 Kilowattstunden neuerdings rund 100 Mark unter dem Vossnet-Preis liegt und demnächst als AG auf den Markt tritt.



In Sachen Tarifrechner noch ein Hinweis in eigener Sache: Das strom magazin wird Vossnet ebenda sowie in der Anbieterliste nach wie vor führen, da Vossnet (1.) erst im Februar/März Strom liefern muss und (2.) eine etwaige Unregelmäßig- oder Fahrlässigkeit des Unternehmens bis dato nicht bewiesen ist.



Thomas Liebau