Lebensgefahr

Vorsicht Stromschlag: Gefahren in überfluteten Häusern

Flutopfer dürfen keine überschwemmten Räume betreten, wenn noch Spannung auf dem Stromnetz ist und Geräte eingeschaltet sind. Sonst droht schlimmstenfalls ein tödlicher Stromschlag. Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn man eine Solaranlage auf dem Dach hat und der Anschluss im überfluteten Keller liegt.

Naturkatastrophe© M. Klawitter / Fotolia.com

Frankfurt/Main (dpa/tmn/red) - Kommen Betroffene nicht an den Hauptverteiler heran, weil dieser zum Beispiel im überschwemmten Keller liegt, müssen sie den Energieversorger anrufen, erläutert Sicherheitsexperte Thomas Raphael vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Dieser stelle den Strom dann besser ab.

Denn selbst wenn man es unbeschadet schaffen würde, dort den Schalter zu betätigen, droht weiterhin Gefahr: Die Drähte, über die der Strom von den Außenleitungen zu seiner ersten Station im Haus - dem Hauptverteilerkasten - fließt, stehen noch immer unter Spannung. Das sei auch so, wenn man den Strom zwar am Sicherungskasten, nicht aber am Hauptverteilerkasten abstellt, warnt Raphael. Auch zwischen beiden gibt es unter Spannung stehende Verbindungen.

Besser den Strom extern abstellen lassen

"Kein Problem ist das, wenn der Verteilerkasten im Trockenen, etwa unter dem Dach, liegt", sagt der Experte. "Dann schalte ich dort jene Abschnitte ab, die in den Keller führen." Betroffenen rät Thomas Raphael, sich vor ihrer Rückkehr in die Häuser beim Stromversorger zu erkundigen, ob dieser die Versorgung - noch immer - gekappt hat. In stark gefluteten Gebieten ist das häufig der Fall. Aber selbst dann droht die Gefahr noch: Denn scheint die Sonne auf die Solarmodule auf dem Dach, stehen im überfluteten Keller Wechselrichter und Anschlusskasten der Anlage unter Spannung. Darauf weist der TÜV Rheinland hin.

Besondere Vorsicht bei Solaranlagen

Noch schlimmer kann es kommen, wenn sich das technische Zubehör zu den Solarpaneelen auf dem Dach in einem geschlossenen und schlecht gelüfteten Raum befindet, der länger unter Wasser stand. Hier kann sich in einer chemischen Reaktion Wasser in Sauer- und Wasserstoff gespalten haben, erläutert TÜV-Experte Willi Vaaßen. Ein Funken reicht - und es kommt zu einer Explosion. Der TÜV rät daher: Rückkehrer sollten solche Räume sofort sehr gut lüften und offenes Feuer meiden. Dazu gehört auch die Zigarettenglut.

Um Explosion und Stromschlag zu vermeiden, sollte ein Elektriker die Teile der Solaranlage in der Nähe des Generators abklemmen. Ist das Wasser abgelaufen, sollte ebenfalls ein Profi Anschlusskasten und Wechselrichter kontrollieren. Auch Elektrogeräte dürfen erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass die Feuchtigkeit sie nicht beschädigt hat. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rät, diese ebenfalls vom Fachmann überprüfen zu lassen - insbesondere die Heizungsanlage mit Brenner, Pumpen und die dazugehörige Regelungs- und Sicherungstechnik.