12.06.2013, 16:38 Uhr

Strom-News

Lebensgefahr

Vorsicht Stromschlag: Gefahren in überfluteten Häusern

Flutopfer dürfen keine überschwemmten Räume betreten, wenn noch Spannung auf dem Stromnetz ist und Geräte eingeschaltet sind. Sonst droht schlimmstenfalls ein tödlicher Stromschlag. Besondere Vorsicht ist dann geboten, wenn man eine Solaranlage auf dem Dach hat und der Anschluss im überfluteten Keller liegt.

Frankfurt/Main (dpa/tmn/red) - Kommen Betroffene nicht an den Hauptverteiler heran, weil dieser zum Beispiel im überschwemmten Keller liegt, müssen sie den Energieversorger anrufen, erläutert Sicherheitsexperte Thomas Raphael vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Dieser stelle den Strom dann besser ab.

Photovoltaik Kehren Flutopfer in ihre Häuser zurück, wollen sie schnell die Schäden begutachten und mit dem Aufräumen beginnen. Doch wer durch das Wasser watet oder durch stark beschädigte Räume läuft, bringt sich leicht in tödliche Gefahr. (Foto / Abb.: joepix / iStockphoto.com)Denn selbst wenn man es unbeschadet schaffen würde, dort den Schalter zu betätigen, droht weiterhin Gefahr: Die Drähte, über die der Strom von den Außenleitungen zu seiner ersten Station im Haus - dem Hauptverteilerkasten - fließt, stehen noch immer unter Spannung. Das sei auch so, wenn man den Strom zwar am Sicherungskasten, nicht aber am Hauptverteilerkasten abstellt, warnt Raphael. Auch zwischen beiden gibt es unter Spannung stehende Verbindungen.

Besser den Strom extern abstellen lassen

"Kein Problem ist das, wenn der Verteilerkasten im Trockenen, etwa unter dem Dach, liegt", sagt der Experte. "Dann schalte ich dort jene Abschnitte ab, die in den Keller führen." Betroffenen rät Thomas Raphael, sich vor ihrer Rückkehr in die Häuser beim Stromversorger zu erkundigen, ob dieser die Versorgung - noch immer - gekappt hat. In stark gefluteten Gebieten ist das häufig der Fall. Aber selbst dann droht die Gefahr noch: Denn scheint die Sonne auf die Solarmodule auf dem Dach, stehen im überfluteten Keller Wechselrichter und Anschlusskasten der Anlage unter Spannung. Darauf weist der TÜV Rheinland hin.

Besondere Vorsicht bei Solaranlagen

Noch schlimmer kann es kommen, wenn sich das technische Zubehör zu den Solarpaneelen auf dem Dach in einem geschlossenen und schlecht gelüfteten Raum befindet, der länger unter Wasser stand. Hier kann sich in einer chemischen Reaktion Wasser in Sauer- und Wasserstoff gespalten haben, erläutert TÜV-Experte Willi Vaaßen. Ein Funken reicht - und es kommt zu einer Explosion. Der TÜV rät daher: Rückkehrer sollten solche Räume sofort sehr gut lüften und offenes Feuer meiden. Dazu gehört auch die Zigarettenglut.

Um Explosion und Stromschlag zu vermeiden, sollte ein Elektriker die Teile der Solaranlage in der Nähe des Generators abklemmen. Ist das Wasser abgelaufen, sollte ebenfalls ein Profi Anschlusskasten und Wechselrichter kontrollieren. Auch Elektrogeräte dürfen erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass die Feuchtigkeit sie nicht beschädigt hat. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rät, diese ebenfalls vom Fachmann überprüfen zu lassen - insbesondere die Heizungsanlage mit Brenner, Pumpen und die dazugehörige Regelungs- und Sicherungstechnik.

© 2001-2016 strom-magazin.de

Diesen Artikel empfehlen

Kostenloser Newsletter von Strom-Magazin.de

Ähnliche Nachrichten zur News "

Vorsicht Stromschlag: Gefahren in überfluteten Häusern

"
  • Warnung vor Photovoltaik-Anlagen mit Steckern
    Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) Der Elektrotechnikverband VDE weist darauf hin, dass Solaranlagen, die man einfach in die Steckdose stecken kann, nicht den Vorschriften entsprächen. Man könne eine Solaranlage, die Strom erzeugt, nicht gleichsetzen mit einem Toaster oder einer Heizdecke. Deshalb hafte der Nutzer bei möglichen Unfällen und Bränden selbst.
  • TÜV warnt vor schlampig installierten Solaranlagen
    Solar Nach Einschätzung des TÜV Thüringen ist fast die Hälfte der Solaranlagen im Freistaat nicht fachgerecht installiert. Die Sachverständigen der Prüforganisation stellten bei Inspektionen immer wieder gravierende Mängel an den Anlagen fest, sagte Projektleiter Andreas Dille am Mittwoch in Erfurt.
  • Der GAU von Fukushima hochgerechnet auf Frankreich
    Atomkraft Ein Atomunfall vom Ausmaß Fukushimas würde Frankreich einer Studie zufolge rund 430 Milliarden Euro kosten. Dabei machen die direkten Kosten durch die nukleare Verseuchung nur einen kleinen Teil aus - viel teurer würden die hohen Folgekosten, auch durch die erwartete hohe Zahl an "Atomflüchtlingen".
  • Solaranlage auf Skihallendach wird doppelt gefördert
    Solar Die Skihalle Hamburg-Wittenburg wird künftig mit Sonnenstrom versorgt. Nach mehrfachen Verzögerungen soll die Solaranlage in den kommenden Wochen in Betrieb genommen werden, sagte ein Sprecher des Skihallen-Betreibers der Nachrichtenagentur dapd. Der Betreiber indes kassiert Subventionen gleich doppelt.
  • BGH sieht Solaranlagen-Besitzer als Verbraucher an
    Rechtsprechung Immer mehr Privatleute produzieren Strom durch Solarmodule auf Hausdächern und Garagen; deutschlandweit gibt es rund 700.000 kleine Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von bis zu zehn Kilowatt-Peak. Nun hat sich der Bundesgerichtshof (BGH) zugunsten eines solchen Kleinstproduzenten von Sonnenstrom geäußert.

Strompreise vergleichen

Einfach Postleitzahl und jährlichen Stromverbrauch in kWh eingeben und günstige Stromtarife finden!

Weitere Infos zum Thema Stromanbieterwechsel