Was Kohlestrom wirklich kostet

Vorschriften für Kohlekraftwerke sind angeblich veraltet

In der Diskussion um die Gesundheitsrisiken durch Kohlekraftwerke haben Mediziner die EU-Vorschriften für Emissionen als veraltet kritisiert. Die Richtlinie zu Industrie-Emissionen, die 2016 in Kraft treten wird und strengere Grenzwerte als bislang vorsieht, sei schon jetzt überholt, heißt es in einer neuen Studie.

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Berlin (AFP/red) - Die entsprechende Studie der Allianz Gesundheit und Umwelt (HEAL) soll am Mittwoch in Berlin vorgestellt werden, sie lag der Nachrichtenagentur AFP schon vorab vor. "Die USA und China haben 2012 bereits wesentlich strengere Standards für die wichtigsten Luftschadstoffe aus Kohlekraftwerken eingeführt", schreiben die Wissenschaftler.

Die EU-Richtlinie sieht demnach beispielsweise für Stickoxid-Emissionen einen Grenzwert von 200 Milligramm pro Kubikmeter ab 2016 vor. In den USA sei eine Obergrenze von 100 Milligramm, in China von 117 Milligramm vorgesehen. Zudem weise die EU-Regelung "eine Reihe von Schlupflöchern und Ausnahmen auf, die bei bestehenden Anlagen Anwendung finden könnten". Dadurch könnten diese bis 2020 oder darüber hinaus mit höheren Abgasen betrieben werden.

Notwendige Technik gibt es bereits

"Diese Lücken in der Umsetzung müssen sofort geschlossen werden", fordern die Autoren der Studie. Außerdem zeigten die Vorschriften aus den USA und China, dass die EU die festgelegten Standards erhöhen sollte, um die öffentliche Gesundheit besser vor gefährlichen Emissionen zu schützen. Die dafür notwendigen Filtertechniken seien bereits verfügbar.

Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace hatte kürzlich eine Studie vorgestellt, der zufolge deutsche Kohlekraftwerke statistisch für mehr als 3000 vorzeitige gesundheitsbedingte Todesfälle pro Jahr verantwortlich sind. Schuld seien Feinstaubpartikel und giftige Abgase aus den Schornsteinen. Die Kraftwerkbetreiber hatten der Untersuchung heftig widersprochen.

Die HEAL-Studie mit dem Titel "Was Kohlestrom wirklich kostet - Gesundheitsfolgen und externe Kosten durch Schadstoffemissionen" geht der Frage nach, welche Kosten die Umweltbelastung durch Kraftwerke für das deutsche Gesundheitssystem verursacht. Die Organisatoren hatten Vertreter der Kohleindustrie zur Vorstellung der Studie eingeladen, um direkt reagieren zu können - diese lehnten ein Kommen demnach aber ab.

Quelle: AFP