D-Day

Vorschau: Energiegipfel am Montag im Kanzleramt

Seit Wochen steht der geplante Energiegipfel mit Bundeskanzlerin Merkel im Mittelpunkt des Interesses der Energiewirtschaft: Gemeinsam mit Vertretern aller Branchenbereiche will sich Merkel auf die Suche nach dem richtigen Konzept für Versorgungssicherheit, bezahlbaren Kosten und Klimaschutz machen. Ob's gelingt?

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp.djn/sm) - Die Preise für Strom und Gas steigen bereits seit einiger Zeit deutlich. Die weltweit stark wachsende Nachfrage treibt die Kosten für Energieträger wie Öl, Kohle, Gas und Uran in die Höhe. Für Verbraucher legte der Strompreis nach Angaben von Verbraucherschützern hierzulande seit 2000 um fast ein Drittel zu, der Gaspreis verdoppelte sich. Aber auch die Wirtschaft bekommt die steigenden Energiekosten deutlich zu spüren.

Energiebedarf steigt

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Bereits heute ist der weltweite Energieverbrauch doppelt so hoch wie zu Beginn der 70er Jahre. Bis 2020 wird er nach Schätzungen der Internationalen Energie-Agentur um ein weiteres Drittel zunehmen. Gleichzeitig spielen Fragen der Versorgungssicherheit für Deutschland eine immer größere Rolle. Dabei geht es sowohl um den langfristigen Bezug von Energieträgern als auch um notwendige Investitionen in die heimische Branche.

Ziel des Gipfels ist ein langfristiges Energiekonzept

Vor diesem Hintergrund will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagabend auf einem Energiegipfel im Kanzleramt mit mehreren Kabinettskollegen und den Spitzen der deutschen Energiewirtschaft die Weichen für die künftige Energiepolitik stellen. Im Kern geht es um ein langfristiges Konzept, das bis zum Jahr 2020 Versorgungssicherheit, bezahlbare Energiekosten für Verbraucher und Wirtschaft sowie Klimaschutz miteinander verbinden soll. Dieses Konzept ist allerdings nicht vor dem zweiten Halbjahr 2007 zu erwarten, wie Merkel bereits ankündigte. Daher dürfte das Treffen lediglich der Auftakt zu weiteren Gesprächen und Planungen sein.

Hinzu kommt, dass es im Versorgungsbereich mittel- und langfristig ein erheblicher Investitions- und Modernisierungsbedarf besteht. Bis 2020 muss ein großer Teil der Kraftwerke ersetzt werden. Viele Anlagen sind älter als 25, manche sogar älter als 50 Jahre. So gehen Beobachter vor allem davon aus, dass als greifbares Ergebnis des Gipfels ein milliardenschweres Investitionsprogramm zum Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke verkündet werden könnte. Von insgesamt zehn Milliarden Euro ist die Rede.

Ausbau der Netze für Verlängerung der Laufzeiten?

Fraglich bleibt, ob damit wirklich ein zusätzlicher Schub ausgelöst würde. Schließlich stellte der Verband der Elektrizitätswirtschaft erst jüngst Investitionen von knapp 80 Milliarden Euro in Netze und Kraftwerke bis 2020 in Aussicht. Der Bundesverband Erneuerbarer Energien will im gleichen Zeitraum 200 Milliarden Euro in die alternativen Varianten stecken. Als Gegenleistung für die Milliardeninvestitionen könnten die Stromkonzerne nach Einschätzung von Experten auf eine Verlängerung der Laufzeiten ihrer Atomkraftwerke drängen. Doch der Atomausstieg soll ausdrücklich kein Thema auf dem Gipfel werden, wie Merkel unter Hinweis auf die Koalitionsvereinbarung mit der SPD im Vorfeld deutlich machte.

Greenpeace: Energiepolitik ist mangelhaft

Im Vorfeld des Zusammentreffens in Berlin warf die Umweltschutzorganisation Geenpeace der Bundesregierung eine völlig verfehlte Energiepolitik vor. "Die jetzige Politik ist eine einzige Mängelliste", kritisierte Karsten Smid, Greenpeace-Energieexperte. Deutschland sei immer noch extrem abhängig von Rohstoffimporten, heißt es im neuen "Schwarzbuch Versorgungssicherheit" von Greenpeace. Statt erneuerbare Energien stärker zu fördern, halte die Regierung an Atomenergie und Kohlekraft fest. Solange auf dem Energiegipfel die "Einzelinteressen der Energiekonzerne" vorherrschten, könnten die Schwachstellen der deutschen Energiepolitik nicht behoben werden, zeigte sich der Energieexperte pessimistisch.

Die energiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gudrun Knopp, forderte, die Kernenergie zum Topthema des Gipfels zu machen. "Es ist schlicht unsinnig und unseriös über die energiepolitischen Weichenstellungen für die nächsten zwanzig Jahre sprechen zu wollen, ohne über die Kernenergie zu sprechen", sagte sie heute in Berlin. Als Ergebnis können nur ein "Ausstieg vom Ausstieg" erzielt werden.

Von ddp.djn-Korrespondent Ralf Beunink