"Verbrauchertäuschung"

Volkswagen erfindet zusätzliche Effizienzklasse "H" (Upd.)

Die deutsche Umwelthilfe hat die Volkswagen AG zu einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Der Autohersteller habe sich eine eigene Energieeffizienzklasse erfunden, um die eigenen Fahrzeuge besser aussehen zu lassen. Durch die niedrigste Klasse "H" rücken alle Fahrzeuge automatisch in der Bewertung nach oben.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Mit einer selbst erfundenen zusätzlichen Energieeffizienzklasse "H" versuche die Volkswagen AG, eigene PKW mit extremem Benzinverbrauch etwas grüner zu waschen. Im Internetauftritt der VW AG liege deshalb zum Beispiel der Phaeton mit 4,2-Liter Benzinmotor (246 kW / 335 PS; kombiniert 12,5 l/100km / 290 g CO2/km) mit der Energieeffizienzklasse G nicht auf dem letzten Platz, sondern auf dem vorletzten.

DUH spricht von Verbrauchertäuschung

Die gesetzliche Tabelle endet mit der Klasse G, die bei VW erfundene mit der Klasse H. Die DUH moniert, dass mit der Energieeffizienzklasse "H" nicht nur Extrem-Spritschlucker um einen Platz von der roten Laterne der Klimaschädlichkeit wegrücken, sondern alle Modelle besser erscheinen. Deshalb fordert sie den Automobilhersteller auf, die im Gesetz nicht vorhandene Effizienzklasse H mit sofortiger Wirkung aus seinem Internetauftritt zu entfernen und die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungsskala korrekt einzusetzen.

Update: Volkswagen hat auf die Vorwürfe reagiert und sich bei den Kunden entschuldigt. Die Kennzeichnung, die nur online erschienen sein soll, wurde mittlerweile von der Seite entfernt.

Seit dem 1. Dezember schreibt der Gesetzgeber analog zu den bekannten Energieeffizienzetiketten für Haushaltsgroßgeräte und Fernseher die Kennzeichnung neuer Pkw mit einer entsprechenden Effizienzskala vor. Das Label weist Neuwagen abhängig von ihrem CO2-Ausstoß (bzw. Kraftstoffverbrauch) und Gewicht auf einer Farbskala Effizienzklassen von A+ (effizient) bis G (ineffizient) zu.

Grundsätzliche Kritik am Kennzeichnungssystem

Die DUH kritisiert das am 1. Dezember eingeführte neue Energielabel für Pkw auch grundsätzlich, weil es schwere und stark motorisierte Fahrzeuge gegenüber Spritsparern systematisch begünstigt. Im Ergebnis komme es dadurch zu Fehlanreizen, weil Autokunden zum Kauf schwerer und hochmotorisierter Pkw animiert werden, denen eine günstigere Energieeffizienz bescheinigt würde als leichteren Kleinwagen mit geringerem Kraftstoffverbrauch und entsprechend niedrigerem CO2-Ausstoß.