Hohe Maßstäbe

Vogelschutz: BSH lehnt Windpark-Projekte in der Ostsee ab

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg hat zwei geplante Windpark-Projekte für die Ostsee abgelehnt. Die Behörde wird sowohl für das E.ON-Projekt "Pommersche Bucht" als auch für das "Adlergrund"-Vorhaben der Hannoveraner Firma Winkra, beide östlich von Rügen, keine Genehmigungen erteilen.

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Hamburg (red) - Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat jetzt zwei in der Ostsee beantragte Windpark-Projekte abgelehnt. Für das Projekt "Adlergrund", das in der Pilotphase mit 80 Windenergieanlagen (WEA) geplant war, sowie für das Vorhaben "Pommersche Bucht" mit zunächst 70 WEA, wird die Behörde keine Genehmigungen erteilen.

Nach intensiver Prüfung der östlich von Rügen geplanten Projekte konnte für beide keine positive Prognose zu möglichen ökologischen Auswirkungen gestellt werden, erklärte BSH-Justitiar Christian Dahlke heute in Hamburg. Insbesondere wäre für einige nach der Vogelschutzrichtlinie geschützte Arten der wahrscheinlich eintretende Habitatverlust zu groß und nicht vertretbar. Betroffen davon wären Seetaucher sowie Eis-, Samt- und Trauerenten. Wegen seiner hohen Bedeutung für die geschützten Arten sei das Gebiet auch von der Bundesregierung an die EU-Kommission als Vogelschutzgebiet gemeldet worden, erläuterte Dahlke.

Die beiden ablehnenden Entscheidungen verdeutlichen nach Angaben von BSH-Präsident Prof. Dr. Peter Ehlers, dass sich nicht jedes Seegebiet für jede Art mariner Nutzung eigne. Die Entscheidungen seien kein generelles Signal - weder für noch gegen Offshore-Windenergie. Vielmehr werde deutlich, an welch strengen Maßstäben sich der zu prüfende Antrag auf die Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen hinsichtlich der Schutzgüter Schifffahrt und Meeresumwelt messen lassen muss.

Der Naturschutzbund NABU hat Entscheidung des BSH ausdrücklich begrüßt. "Das BSH hat damit den NABU-Standpunkt bestätigt, dass Offshore-Windparks nicht überall mit den Interessen des Meeresschutzes vereinbar sind", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die beiden Projekte habe der NABU wegen der Bedeutung der Meeresgebiete für geschützte Seetaucher- und Entenarten wiederholt als nicht genehmigungsfähig kritisiert.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin zeigte sich ebenfalls froh über die BSH-Entscheidung: "Ich bin erfreut, dass sich die Genehmigungsbehörde dem Votum des Bundesamtes für Naturschutz angeschlossen hat. Die Entscheidung zeigt, dass die Strategie der Bundesregierung für einen umwelt- und naturverträglichen Ausbau der Windenergie auf hoher See in der Praxis greift. Wir haben die Pommersche Bucht und den Adlergrund absichtlich nicht als Eignungsgebiete für die Windenergienutzung ausgewiesen."

Beim BSH laufen derzeit Verfahren für insgesamt 33 Windpark-Projekte (27 Nordsee, 6 Ostsee) sowie für einige Kabelanbindungen. Davon wurden bisher sieben Projekte für die Errichtung von Windenergieanlagen mit Pilotphasen von maximal 80 Anlagen sowie eine Stromkabelanbindung genehmigt.