Pro Wettbewerb

VIK sieht in EU-Studie Beleg für weit überhöhte Strompreise

Der Zusammenschluss von gewerblichen und industriellen Energiekunden sieht in der EU-Studie über Stromgroßhandel bestätigt, dass gerade die deutschen Stromverbraucher im EU-Vergleich sehr hohe Aufschläge auf den Strompreis zahlen - und auch den höchsten CO2-Aufschlag der untersuchten Länder.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (red) - Die Stromverbraucher in Deutschland und fünf weiteren EU-Staaten zahlen bei weitem zuviel für Strom. Weder die Kosten der Erzeuger für ihre bestehenden Kraftwerke noch die notwendigen Investitionen in zukünftige Kraftwerke können das bestehende Strompreisniveau rechtfertigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfangreiche Studie für die EU-Kommission. Sie belegt gleichzeitig einen engen Zusammen­hang zwischen Strompreisen und Marktkonzentration.

Der VIK, der Zusammenschluss von gewerblichen und industriellen Energiekunden in Deutschland, sieht in dieser Studie viele Vermutungen und Analysen bestätigt, die bisher nur auf lückenhaften Daten und vielen Annahmen beruhen konnten. Diese Studie greift jedoch auf eine einmalige Datenquelle – die individuellen Kosten- und Erzeugungsdaten der Stromerzeugungs-Unternehmen über einen Zeitraum von drei Jahren – zurück. Daher seien die Studienergebnisse als besonders fundiert und aussagekräftig zu werten, meint der VIK.

So hätten die deutschen Stromverbraucher im EU-Vergleich sehr hohe Aufschläge auf den Strompreis gegenüber den Preisen bei Wettbewerb zu tragen. Die wettbewerblichen Strompreise ohne eine Einpreisung von CO2-Zertifikaten lägen nach der EU-Studie im Jahr 2005 bei nur 28,17 Euro/MWh. Stattdessen mussten deutsche Verbraucher aber zu dem höchsten CO2-Aufschlag der untersuchten Länder (29 Prozent oder 13,86 Euro/MWh) noch einen zusätzlichen Aufschlag von 13 Prozent oder 6,39 €/MWh zahlen. Nach VIK-Schätzungen kamen dadurch 2005 Mehrkosten für die Verbraucher von insgesamt 9,5 Mrd. Euro zusammen.

Ein wettbewerbliches Strompreisniveau würde sogar mehr als die notwendigen Mittel für Investitionen in neue Kraftwerke bereitstellen. "Das Märchen der Notwendigkeit überhöhter Strompreise, um zukünftig den Bau neuer Kraftwerke finanzieren zu können, hat die Studie mit konkreten Berechnungen nachdrücklich widerlegt", so Dr. Alfred Richmann, Geschäftsführer des VIK.

Außerdem wirft die Studie einen genauen Blick auf die im Wettbewerbsfall optimale Nutzung der Kraftwerke und stellt als wichtige Ursache für das überhöhte Strompreis­niveau fest: Die Stromerzeuger setzen ihre kostengünstigsten Erzeugungskapazitäten nur unterhalb ihrer Möglichkeiten ein. So könnten bei wettbewerblicher Nutzung jede Stunde im Mittel 1800 MW an einsatzfähigen Kern-, Kohle- und Pumpspeicherkraftwerken über die Zeit von 2003 bis 2005 zusätzlich eingesetzt werden. Tatsächlich aber wurden kostenungünstige Kraftwerke – wie z.B. Gaskraftwerke – übermäßig eingesetzt und führten "zwangsläufig" zu überhöhten Marktpreisen.

"Jetzt ist mehr als sicher: Der deutsche Verbraucher muss erheblich für die Marktkonzentration zahlen", so Richmann.