In aller Schärfe

VIK: Scharfe Kritik an der CO2-Zuteilung

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) kritisiert die Zuteilung von Kohlendioxid (CO2)-Zertifikaten an Deutschland durch die EU als eine "falsche und sehr bedauerliche" Entscheidung. Durch die Reduzierung des Volumens kämen auf deutsche Unternehmen milliardenschwere Zusatzbelastungen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen (red) – Die Senkung der bislang vorgesehenen deutschen CO2-Emissionen von 486 Millionen Tonnen auf 453 Millionen Tonnen im Jahr 2012 wird nach Einschätzung des Verbandes den CO2-Zertifikatepreis und damit den Strompreis drastisch steigern. Dadurch würden die so genannten Windfall-Profits der Stromunternehmen noch einmal deutlich wachsen. Ein gigantisches Umverteilungsprogramm von Vermögen, Arbeitsplätzen und Wachstumschancen - und das ohne nennenswerte positive Klimawirkung, kritisiert der VIK.

Die Stromproduzenten könnten ihre gesamten Mehrbelastungen durch den Emissionshandel eins zu eins an ihre Kunden weitergeben und seien so keinerlei Zwang zur Effizienzerhöhung unterworfen. Ihre Kunden hingegen könnten die durch den Emissionshandel drastisch gestiegenen Stromkosten nicht einmal im Ansatz durch Effizienzsteigerungen kompensieren oder ihrerseits im Markt überwälzen.

Der Verband äußert seine Kritik in scharfer Form: Der europäische Emissionshandel sei ein hervorragendes Instrument zum Arbeitsplatzexport aus Deutschland in Länder ohne CO2-Vorgaben, allerdings dort eher mit negativen Klimawirkungen. Ein kleiner finanzieller "Trost" bleibe zumindest den Stromversorgern: Verlieren sie einen Stromkunden, können sie die nicht zur Stromproduktion benötigten geschenkten CO2-Zertifikate an der Börse wenigstens noch für sich zu Geld machen.

Ein VIK-Sprecher: "Die in hohem Maß selbstvergessene Klimavorreiterposition der EU und vor allem Deutschlands bedroht den Wohlstand Deutschlands massiv, ohne der Umwelt entscheidende Vorteile zu bringen. Dieses Vorgehen muss schleunigst beendet werden!"

Die Klima-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Claudia Kemfert, geht nicht von höheren Strompreisen in Deutschland aufgrund der Klima-Einigung zwischen Bundesregierung und EU-Kommission aus. "Die Strompreise werden wegen der Einigung mit Brüssel nicht steigen", sagte Kemfert der "Rheinischen Post".

Der Grund für die hohen Strompreise liege "an der Marktmacht der großen Stromkonzerne und dem mangelnden Wettbewerb, nicht am Emissionshandel", sagte die Ökonomieprofessorin an der Humboldt-Universität Berlin weiter. Der Preis der Emissions-Zertifikate sei "konstant niedrig", weil es zu viele davon am Markt gebe. Daran werde sich auch 2008 nichts ändern.

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