Unbefriedigende Situation

VIK-Preisvergleich Stromnetze: Unter Druck sinken Netzentgelte

Die vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft regelmäßig veröffentlichten Preisvergleiche der Netznutzungsentgelte bieten nicht nur Transparenz. Sie sorgen auch dafür, dass Entgelte gesenkt werden. So geschehen jetzt bei der e.dis

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Nur sieben der untersuchten 40 Netzbetreiber bieten nach Angaben des Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. (VIK) günstigere Netznutzungsentgelte, als es die Richtwerte der Verbändevereinbarung Strom II vorsehen.

Bezeichnend für diese unbefriedigende Situation sei das Verhalten des Netzbetreibers e.dis. Im letzten VIK-Preisvergleich noch Schlusslicht, überprüft derzeit das Bundeskartellamt die Entgelte von e.dis. Ohne dass bereits ein Ergebnis dieser Prüfung vorliege, hat e.dis reagiert und ihre Entgelte drastisch gesenkt: Nach dem jüngsten VIK-Preisvergleich um 20,58 Prozent im Niederspannungsnetz, um 25,9 Prozent im Mittelspannungsnetz und um 14,11 Prozent im Hochspannungsnetz. Insgesamt differieren die Preise für die Netznutzung laut VIK allerdings weiterhin enorm: 89 Prozent Preisunterschied zwischen dem teuersten und dem preiswertesten Netzbetreiber im Mittelspannungsbereich und jeweils 128 Prozent Preisunterschied im Nieder- und Hochspannungsnetz machten es dem Wettbewerb schwer, bilanziert der VIK. Untersucht wurde eine Auswahl der Netzbetreiber, die nahezu 70 Prozent der deutschen Stromübertragung abdecken.

Für den VIK unterstreicht das Untersuchungsergebnis die dringende Notwendigkeit von mehr Transparenz und einem stärkeren Unbundling, etwa durch eine getrennte Ausweisung von Netznutzungsentgelt und Strompreis. Nur so könne zügig ein funktionierender Wettbewerb im Monopolbereich Stromnetze erreicht werden. Eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes müsse hier schnell die notwendigen Voraussetzungen schaffen. Im Vergleich zu den Preissenkungen der e.dis verblassen die zahlreichen, seit dem zurückliegenden VIK-Vergleich durchgeführten Netzpreissenkungen, zumal auch Preiserhöhungen nicht ausgeblieben sind.

Der durchschnittliche vom VIK im Oktober 2001 ermittelte Niederspannungsnetzpreis liegt bei 8,17 Pfennig pro Kilowattstunde. Das sind 3,54 Prozent weniger als im April 2001. Der Mittelspannungsnetzpreis liegt bei 4,7 Pfennig pro Kilowattstunde, das sind 2,97 Prozent weniger als im April dieses Jahres. Und der Hochspannungsnetzpreis liegt bei 2,45 Pfennig pro Kilowattstunde, das sind 1,37 Prozent weniger. Beim Niederspannungsnetz ist die Energie Baden-Württemberg mit 5,42 Pfennig pro Kilowattstunde Preisführer, die avacon (Helmstedt) mit 12,34 Pfennig pro Kilowattstunde Schlusslicht. Günstigster Anbieter im Mittelspannungsbereich ist die KAWAG (Laufenburg) mit 3,47 Pfennig pro Kilowattstunde gegenüber dem teuersten MEAG (Halle) mit 6,56 Pfennig pro Kilowattstunde. Im Hochspannungsnetz liegt HEW aus Hamburg mit 1,75 Pfennig pro Kilowattstunde weit vor dem Schlusslicht Allgäuer Überlandwerke (Kempten) mit 3,99 Pfennig pro Kilowattstunde.

Der vollständige VIK-Preisvergleich Stromnetze mit jeweils differenzierten Angaben zu einzelnen Elektrizitätsversorgungsunternehmen ist in den VIK-Mitteilungen 5-2001 veröffentlicht.