Standpunkt

VIK: Preise für Strom und Emissionszertifikate schaukeln sich hoch

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) hat gegen die unkalkulierbaren Kostenexplosionen für Industrie und Gewerbe protestiert. Bei gleichzeitig abnehmendem Wirtschaftswachstum und zunehmender Arbeitslosigkeit seien die Preisschübe beim Strom- und Kohlendioxidzertifikatepreis unverantwortlich.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen (red) - In den letzten vier Wochen haben sich Stromlieferungen für das Jahr 2006 um vier Cent pro Kilowattstunde (12 Prozent) verteuert. Für Industrie und Gewerbe in Deutschland führt das zu neuen Mehrbelastungen von 900 Millionen Euro im Jahr 2006, bemängelte heute der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK).

Bei gleichzeitig abnehmendem Wirtschaftswachstum und zunehmender Arbeitslosigkeit seien diese Preisschübe unverantwortlich, führte der VIK aus. Auffallend sei, dass der gerade erst gestartete Markt für Emissionszertifikate jetzt schon ähnliche Preismuster und -sprünge aufweise wie der Strommarkt. Zu Beginn des Jahres habe der Preis noch bei 8 Euro pro Tonne Kohlendioxid gelegen, derzeit habe er sich mit fast 16 Euro nahezu verdoppelt.

Der Grund liegt laut VIK in den monopolähnlichen Strukturen auf dem Erzeugermarkt: Etwa 80 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten in Deutschland lägen in Händen der vier großen Stromanbieter E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW. Ähnlich sehe es im Markt für Emissionszertifikate aus. Die großen Vier stünden in dominanter Position auf zwei sehr stark miteinander verflochtenen Märkten. Dies verschaffe den vorherrschenden Akteuren im Markt erhebliche Vorteile und Zusatzerlöse. Damit sorge der Emissionshandel, ursprünglich als Mechanismus zur möglichst kostengünstigen Vermeidung von Emissionen entwickelt, schon jetzt für Zusatzgewinne bei den Stromerzeugern. Die am Emissionshandel beteiligte Industrie müsse die Zeche dann doppelt zahlen: Den hohen Zertifikatspreis beim Zukauf von Emissionsrechten und die teuren Strompreise.

Angesichts dieser Entwicklung müsse die Politik bei den bevorstehenden Entscheidungen zum Energiewirtschaftsgesetz und dessen Auswirkungen auf die Strom- und Gasmarktentwicklung besonders nachdrücklich die Ziele eines wirksamen Wettbewerbs im Markt verfolgen. Die in den vorliegenden Gesetzespapieren noch immer enthaltenen Wettbewerbshindernisse und Möglichkeiten für überhöhte Netzpreise müssten dringend beseitigt werden, forderte der Verband abschließend.