VIK-Industrie-Strompreisvergleich: Deutsche Industrie-Strompreise sinken langsamer

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com
Die deutschen Industriestrompreise haben nach Mitteilung des VIK Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e. V. seit der Strommarktöffnung einen rasanten Anpassungsprozess durchlaufen. Dabei hätten sie heute im internationalen Vergleich in vielen Fällen ein wettbewerbsgerechtes Niveau erreicht. Nach dem Preisrutsch im vergangenen Jahr - von Juli bis Dezember 1999 fiel der Strompreis um 15 Prozent (2 Pf/kWh) - sei auf Basis der aktuellen VIK-Erhebung in den Monaten Januar bis Juni 2000 eine weitere Strompreisreduzierung von 2 Prozent (0,24 Pf/kWh) zu verzeichnen gewesen. Mittlerweile liege der Strompreis im Mittel bei 11,36 Pf/kWh. Insgesamt sanken damit seit der Strommarktliberalisierung Anfang 1998 die vom VIK ermittelten durchschnittlichen Industriestrompreise um 28 Prozent oder 4,35 Pf/kWh.


Trotz konstanter Preise habe die HEAG aus Darmstadt mit 9,45 Pf/kWh die Spitzenposition halten können. Ihr folgt die Elektromark aus Hagen mit durchschnittlich 9,57 Pf/kWh, die im letzten VIK-Vergleich noch auf Platz zehn lag. Dicht dahinter behaupten sich mit im Mittel 9,64 Pf/kWh die AÜW, Kempten, die LEW, Augsburg, die RWE Energie AG, Essen. Neu in diese Spitzengruppe vorgestoßen sind die Stadtwerke Duisburg. Nach Angaben des Verbandes spiegeln die genannten Strompreise Vorgaben, welche in bilateralen Verhandlungen durchaus nach unten korrigiert werden können. Verhandlungsgeschick in Kombination z.B. mit einer günstigen Verbrauchsstruktur seien für eine weitere Preisreduzierung gute Voraussetzungen. Die Hälfte der rund 40 betrachteten EltVU lägen mit ihren Preisen von 9,45 bis 10,49 Pf/kWh und damit einer Preisdifferenz von gut einem Pfennig recht dicht beieinander. Bei den übrigen EltVU ergebe sich jedoch mit Preisen zwischen 11,08 und über 14 Pf/kWh ein wesentlich breiteres Spektrum. In dieser mit etwa 3 Pf/kWh recht weiten Spanne befänden sich neben einigen westdeutschen EltVU alle im Vergleich berücksichtigten ostdeutschen Stromversorger. Von diesen ostdeutschen EltVU unterschreite nur die TEAG aus Erfurt mit 11,16 Pf/kWh den für ganz Deutschland ermittelten Durchschnittsstrompreis von 11,36 Pf/kWh.


Die VIK-Erhebungen zeigen nach wie vor eine durchschnittliche West-Ost-Strompreisdifferenz von etwa einem Pfennig. VIK sei aber zuversichtlich, dass durch die jüngsten Gerichtsurteile einer "quasi" generellen Netzzugangsverweigerung durch das ostdeutsche Verbundunternehmen VEAG ein für alle Mal ein Riegel vorgeschoben wurde. Diese Gerichtsentscheide und der Start der deutschen Strombörsen - der Leipziger LPX, die seit einigen Wochen ihren Betrieb aufgenommen hat, und der am 8. August mit der Arbeit beginnenden Frankfurter EEX - vermittelten zudem weitere Impulse für eine marktgerechte Preisgestaltung. VIK-Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Budde dazu: "Auch wenn der Spielraum für weitere Preissenkungen bei den günstigsten Anbietern langsam knapp werde, so können die neu ins Geschehen eingreifenden Börsen die Strompreise doch noch enger zusammen treiben!" Darüber hinaus warnt VIK die Bundesregierung vor den Gefahren weiterer kostentreibender Gesetze. Die Stromwirtschaft und die industriellen und gewerblichen Stromverbraucher könnten nicht als Goldesel zur Finanzierung stets neuer Forderungen herangezogen werden. Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, brauche die deutsche Industrie international vergleichbare Preise. Die Strompreissenkungen hätten volkswirtschaftlich hilfreiche Effekte hervorgerufen. Auf keinen Fall dürften die im Zuge der Marktöffnung erreichten Erfolge durch preistreibende neue Gesetze aufgezehrt werden, so der VIK-Geschäftsführer.