Analyse

VIK: Hohe Strompreise durch ungenutzte Kapazitäten an der EEX

Bei Nutzung aller verfügbaren Kapazitäten könnte der Strompreis auch mit dem bestehenden Kraftwerkspark heute deutlich niedriger liegen als es der Fall ist. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) nach Analyse der an der Strombörse veröffentlichten Kraftwerksdaten.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (red) – Eine Vermarktung der von Eon, RWE, EnBW und Vattenfall an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) als verfügbar gemeldeten, aber nicht genutzten Kapazitäten auf dem Stromspotmarkt könnte den Strompreis dort gerade in Spitzenstunden um mehr als 30 Prozent senken, meint der VIK. Im Durchschnitt läge die Senkung des Spotmarktpreises bei rund 13 Prozent.

Der Auslastungsgrad der Grund- und Mittellastkraftwerke scheint auf den ersten Blick hoch zu sein. Dennoch bleiben große verfügbare Kapazitäten ungenutzt, die sogar zu Spitzenzeiten noch gut 25 Prozent des gesamten Spotmarktvolumens betragen können und zu sehr attraktiven Preisen auf dem Spotmarkt verkauft werden könnten. Und dieser würde, so die VIK-Analyse, wegen seiner spezifischen Angebots- und Nachfragekonstellation mit starken Preissenkungen auf jedes zusätzliche Angebot reagieren.

Der VIK hat in einer rechnerischen Simulation die aus VIK-Sicht "freien" Kraftwerkskapazitäten als zusätzliches Angebot auf dem Spotmarkt der Strombörse "verkauft". Neben beträchtlichen Preissenkungen steigt die am Spotmarkt gehandelte Menge um ca. 8,7 Prozent. Deshalb sinkt der Umsatz. Ebenfalls sinken würden die Gewinne der Erzeuger durch diese Aktion am Spotmarkt, und zwar im Umfang von etwa 250 Millionen Euro pro Jahr.

Über den EEX-Spotmarkt hinaus hätte diese Aktion indirekte und gleichgerichtete Preiswirkungen auf den Terminmarkt. Dort würden die Preiserwartungen der Studie zufolge vom Preisniveau des Spotmarktes stark beeinflusst und die Terminpreise könnten so ebenfalls sinken. Eine vergleichsweise kleine Angebotserhöhung auf dem Spotmarkt hätte daher eine große Hebelwirkung auf allen nachgelagerten Märkten. Dort könnte der Preis heute um rund sieben Euro pro Megawattstunde niedriger liegen. Der Gewinn der Erzeuger sänke so schätzungsweise noch einmal um rund 400 Millionen Euro, auf Spot- und Terminmarkt zusammen also um rund 650 Millionen Euro jährlich. Ein Betrag, der den Stromkunden heute fehlt.

Der Verband zieht das Fazit, dass im bisherigen Strommarkt die Angebotsmöglichkeiten nicht voll ausgeschöpft würden. Wettbewerblichere Preise seien nicht erst in vielen Jahren durch neu gebaute Kraftwerkskapazitäten möglich, sondern schon heute durch eine bessere Nutzung bestehender Kapazitäten.

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