Vor allem wegen CO2-Einpreisung

VIK-Gutachten: Strom-Marktmacht führt zu überhöhten Preisen

2004 bis 2006 lag der tatsächliche Stromgroßhandelspreis weit über den unter Wettbewerbsbedingungen zu erwartenden Preisen, so ein Ergebnis des Gutachtens über Marktmacht und Strompreise, das vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) in Auftrag gegeben wurde.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (red) – Das Gutachten der technischen Universität Dresden mit dem Titel "Preisbildung und Marktmacht auf den Elektrizitätsmärkten in Deutschland" zeige, dass dieser Preis-Nachteil durch die 100-prozentige Einpreisung der kostenlos zugeteilten CO2-Zertifikate weiter wächst, so der Verband.

Im Jahr 2004 – also noch vor Beginn des Emissionshandels – lagen laut Gutachten die EEX-Strompreise im Mittel 18,5 Prozent über den Grenzkosten, bei einem Viertel der betrachteten Stunden sogar mehr als 30 Prozent darüber. Die Strom-Marktpreise lagen zwischen 35 und 45 Euro pro Megawattstunde, ihre Grenzkosten jedoch nur zwischen 27 und 30 Euro pro Megawattstunde. Das untersuchte erste Halbjahr 2006 zeige mit 24,5 Prozent die stärkste Abweichung der EEX-Strompreise von ihren Grenzkosten innerhalb des Untersuchungs­zeitraums.

Die Einpreisung kostenlos zugeteilter CO2-Zertifikate hat sich nach Ansicht des VIK als ein Instrument zur Marktmacht gesteuerten Strompreissteigerung offenbart. Beleg dafür sei u.a. die vom Gutachten deutlich gezeigte Asymmetrie der CO2-Einpreisung. So wirken sich steigende CO2-Preise dreimal stärker auf die Strompreise aus als sinkende CO2-Preise. Das ist typisch für fehlenden Wettbewerb.

Das Gutachten komme zu dem Schluss, die EEX-Strompreise liegen deutlich oberhalb des zu erwartenden Wettbewerbsniveaus. Anders ausgedrückt: 2004 hätten sich diese EEX-Preise nur einstellen dürfen, wenn das Stromangebot in Deutschland um 9 bis 19 Gigawatt niedriger gelegen hätte. Bei einer Gesamtnachfrage von in der Spitze 80 Gigawatt (Spitzenlast) ein mit rund 11 bis 25 Prozent erheblicher Anteil nicht angebotener Kapazität. Ähnliche Zahlen zeigen sich in den Jahren 2005 und 2006. Fazit für den Verband: Der deutsche Großhandelsmarkt spiegelt keinen wettbewerblichen Strompreis wider. Der ökonomische Grundsatz "Preis = Grenz­kosten" werde nicht erfüllt, so der VIK.

Das Gutachten steht auf der Internetseite des VIK zum Herunterladen zur Verfügung.

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