Erhebung

VIK: 60 Prozent der Netzpreise liegen oberhalb der Regeln nach VV Strom

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft hat seinen aktuellen Preisvergleich für die Stromnetznutzung vorgelegt - das Fazit fällt "unbefriedigend" aus. Einige Netzbetreiber würden die Netznutzungspreise zudem erst dann senken, wenn Prüfungsdruck durch die Kartellbehörden ausgeübt werde.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Gut 60 Prozent der untersuchten Netzbetreiber verlangen nach Angaben des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. (VIK) höhere Netznutzungspreise im Mittelspannungsnetz, als es die Richtwerte der Verbändevereinbarung Strom II plus (VV Strom II plus) vorsehen. Verschärft werde diese "unbefriedigende Situation" durch einige Netzbetreiber, die "erst unter Prüfungsdruck der Kartellbehörden" bereit seien, ihre Netznutzungspreise zu senken, so der VIK.

So sei ein Missbrauchsverfahren des Bundeskartellamts gegen die Elektrizitätswerke Wesertal GmbH Ende März eingestellt worden, nachdem das Unternehmen seine Netzpreisforderungen im Laufe der Missbrauchsuntersuchung reduziert habe. Zum 1. Mai dieses Jahres seien die Preise im dortigen Mittelspannungsnetz um 15 Prozent und im Niederspannungsnetz sogar um 19 Prozent gesunken.

Nach dem jüngsten VIK-Preisvergleich differieren die Preise zwischen günstigstem (EnBW, Karlsruhe; 2,77 ct/kWh) und teuerstem (WEMAG, Schwerin; 5,92 ct/kWh) Netzbetreiber im Niederspannungsnetz um 114 Prozent. Zwischen 1,77 ct/kWh (KAWAG, Ludwigsburg) und 3,09 ct/kWh (Allgäuer Überlandwerke, Kempten) liegen die Preise der Netzbetreiber im Mittelspannungsnetz, eine Spanne von rund 75 Prozent. Kaum geringer ist die Preisspreizung mit etwa 72 Prozent im Hochspannungsnetz. Günstigster Netzbetreiber sind hier die Hamburger Electrizitätswerke mit 0,9 ct/kWh gegenüber 1,55 ct/kWh bei der Berliner Bewag.

Im zurückliegenden halben Jahr hat der VIK lediglich geringe Preissenkungen festgestellt: Bei der Netznutzung auf Hochspannungsebene betrugen die Preisrückgänge 3,2 Prozent, auf der Mittelspannungsebene 1,6 Prozent und auf der Niederspannungsebene 2,6 Prozent. Als Reaktion auf die Kartellamtsuntersuchungen in Kombination mit steigender Effizienz bei den Netzbetreibern und dem vielfach vorhandenen Rationalisierungs-Nachholbedarf erwartet der VIK für das laufende Jahr weitere Netzpreissenkungen. Einen zusätzlichen Schub zugunsten sinkender Preise verspricht sich der Verband durch die neu einzuführenden Kalkulationsansätze und die zu diesem Zeitpunkt vereinbarten Preissenkungen.

Nach Feststellung des VIK hat bisher nur ein kleiner Teil der Netzbetreiber die für ihn jeweils relevanten Strukturkennziffern veröffentlicht. Diese Kennziffern sollen eine bessere Vergleichbarkeit der Netznutzungspreise ermöglichen. Die entsprechende Veröffentlichungsübereinkunft war nach Angaben des VIK mit In-Kraft-Treten der VV Strom II plus für Anfang März vereinbart worden. Der VIK geht davon aus, dass die Netzbetreiber ihren Zusagen in den kommenden Wochen nachkommen.