Netzausbau

Vier Szenarien für künftige Struktur der Stromerzeugung

Die Bundesnetzagentur gab am Dienstag den Startschuss für den geplanten beschleunigten Ausbau des deutschen Stromnetzes. In den nächsten sechs Wochen haben Versorger, Umweltverbände und die Öffentlichkeit die Möglichkeit, zu vier Szenarien über die künftige Struktur der deutschen Stromversorgung Stellung zu nehmen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (dapd/red) - Die von den deutschen Übertragungsnetzbetreibern erarbeiteten Szenarien sollen die Grundlage für die Planung neuer Höchstspannungstrassen durch Deutschland bilden. Dabei variiert vor allem der Anteil, den die erneuerbaren Energien 2020 an der Stromerzeugung haben werden. Er schwankt je nach Szenario zwischen 35 und 46 Prozent des Stromverbrauchs.

Doch werde voraussichtlich bei keinem der Szenarien ein Weg an einem deutlichen Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes vorbeiführen, sagte Netzagentur-Präsident Matthias Kurth. Denn schon heute zeichne sich ab, dass die erneuerbaren Energien nicht zu einer dezentraleren Energieerzeugung führen würden, sondern eher zu mehr Zentralisation. So werde Windkraft überwiegend in Norddeutschland produziert werden. Mit dem ersten Spatenstich für die im beschleunigten Verfahren von der Netzagentur geplanten Trassenprojekte rechnet Kurth allerdings frühestens in den Jahren 2015 oder 2016.

In zwei Jahren bis zu 800 Kilometer

Schon in den kommenden zwei Jahren könnten allerdings bis zu 800 Kilometer neue Höchstspannungstrassen in Betrieb genommen werden, deren Genehmigungsverfahren zurzeit noch von den Ländern vorangetrieben würden, sagte Kurth. Dies werde für die Stromnetze wesentliche Erleichterungen bringen. Danach gehe es darum, beim Netzausbau mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien Schritt zu halten.

Erst Ende August soll die Entscheidung fallen, ob einer der im Zuge des Atommoratoriums stillgelegten deutschen Altreaktoren vorläufig als Kaltreserve in Bereitschaft gehalten wird. Matthias Kurth sagte am Dienstag in Bonn: "Wir sind keineswegs festgelegt."

Untersuchungen zur Kaltreserve laufen weiter

Derzeit laufen nach seinen Worten umfangreiche Untersuchungen, ob ausreichend konventionelle Erzeugungskapazitäten vorhanden sind, um auch im kommenden Winter die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dabei würden auch kleinere Kraftwerke mit Leistungen von nur 20 Megawatt berücksichtigt. Ende August werde man sagen können, ob einer der Altreaktoren benötigt werde - und wenn ja welcher der Reaktoren in Bereitschaft gehalten werden solle.