VIAG-Chef Wilhelm Simson: Energiekonsens unwahrscheinlich

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Der Vorstandsvorsitzende der VIAG AG , Wilhelm Simson, hat den Plänen der Grünen zum Atomausstieg eine klare Absage erteilt. Leistung und Gegenleistung stünden dabei "nicht in einem ausgewogenen Verhältnis", sagte Simson der ZEIT. Zum VIAG-Konzern gehört auch das Bayernwerk, das überwiegend Atomstrom herstellt. Er sei zwar grundsätzlich bereit, eine Befristung der Genehmigungen hinzunehmen, sagte Simson. Man erwarten dafür aber einen politisch ungestörten Betrieb und Entsorgungssicherheit. Beides enthalte der Grünen-Beschluss nicht. "Nach meinem Eindruck wird weiter gestritten werden", sagte Simson. Die "Streitbereinigende Wirkung" eines Energiekonsenses sei "ziemlich unwahrscheinlich, solange die Gegenseite sich von der Devise leiten lässt: Wir tun alles, damit die zugestandenen Laufzeiten gar nicht ausgeschöpft werden."


Gegenüber der früheren Äußerungen von Branchensprechern ließ Simson Kompromissbereitschaft hinsichtlich der zu vereinbarenden Reaktor-Laufzeiten erkennen. Zwar seien die von den Grünen geforderten 30 Jahre "nicht akzeptabel", so Simson. Im Interesse eines politisch ungestörten Betriebs sei man aber bereit, die "technische Nutzungsdauer von 40 und mehr Jahren" nicht auszuschöpfen. Mit der Politik einigen könne man sich "im Bereich von 35 Jahren".


Demgegenüber wies Simson die Erwartung zurück, die Meilerbetreiber könnten noch vor der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2002 einen Reaktor stilllegen. Solche "Bauernopfer" sehe das Aktionsgesetz nicht vor, politische Zugeständnisse seien nicht möglich, sagte Simson der ZEIT. Er schloss aber nicht aus, dass mancher Reaktor wegen teurer Nachrüstungen unwirtschaftlich werde.


Nach der geplanten Fusion von VIAG AG mit der VEBA AG ist das neue Unternehmen, an dessen Spitze Simson und der VEBA-Chef Ulrich Hartman gemeinsam stehen werden, mit seinen beiden verschmolzenen Stromtöchtern Bayernwerk und PreussenElektra an 11 der 19 deutschen Kernkraftwerke beteiligt. Auf die Frage, ob im Falle eines Atomausstiegs ausländischer Nuklearstrom aus deutschen Steckdosen komme, antwortete Simson: "Das wird mit Sicherheit so sein." Der Wettbewerb sei "so hart, dass wir den Strom vertreiben müssen, der auf dem europäischen Markt am günstigsten zu beschaffen ist."


(ots)