Kraftwerksbau

Verzögerungen wegen Bauunglück: RWE fordert Schadenssatz

In Grevenbroich kamen vor neun Jahren drei Menschen bei einem Bauunfall ums Leben. Energiekonzern RWE fordert Schadensersatz von dem damals verantwortlichen Bauunternehmen, weil sich der Bau eines Braunkohle-Kraftwerks verzögerte. Insgesamt geht es um 1,4 Milliarden Euro.

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Mönchengladbach (dpa/red) - Neun Jahre ist es her, dass bei einem schweren Unfall beim Bau des Braunkohle-Kraftwerks in Grevenbroich drei Menschen ums Leben kamen. Jetzt will das Landgericht Mönchengladbach noch einmal die Vorhersehbarkeit und Vermeidbarkeit des Dramas prüfen. Das kündigte die Vorsitzende Richterin der 11. Zivilkammer, Almut Oudijk, am Freitag an.

RWE fordert Schadensersatz für Bauverzögerung

Bei dem Verfahren geht es allerdings nicht um strafrechtliche Verantwortlichkeit, sondern um viel Geld. Vor dem Gericht streiten sich der Energiekonzern RWE und das für den Bau verantwortliche Baukonsortium um den Kraftwerksbauer Hitachi um Milliardenkosten, die durch Bauverzögerungen entstanden. RWE will von dem Firmenkonsortium Schadenersatz in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden Euro, weil die Kraftwerksblöcke erst mit jahrelanger Verzögerung ans Netz gingen. Das Konsortium hat RWE im Gegenzug auf 290 Millionen Euro verklagt.

3 Arbeiten starben bei dem Unfall

Beim Bau des Braunkohlekraftwerks in Grevenbroich war es am 25. Oktober 2007 zu einem schweren Unfall gekommen, bei dem drei Arbeiter starben und sechs verletzt wurden. Umstritten ist, ob der Unfall verantwortlich für die massiven Bauverzögerungen war. Die Anlagenbauer sagen ja. RWE bestreitet das. Das Gericht will nun das damals erstellte Gutachten auch in das Zivilverfahren einführen und die beiden Sachverständigen noch einmal anhören. Die zentrale Frage sei nach Auffassung des Gerichts zunächst, ob es sich bei dem Unfall um höhere Gewalt gehandelt habe oder nicht. Dabei betonte die Richterin, dass das Zivilgericht in der Frage der Verantwortlichkeit durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen könne als die Staatsanwaltschaft.

Mit einer schnellen Entscheidung ist nicht zu rechnen. Die 49-jährige Richterin sagte, sie befürchte, dass das Verfahren möglicherweise sogar bis zu ihrer Pensionierung nicht abgeschlossen sein werde. Es sei damit zu rechnen, dass es durch alle Instanzen gehe.

Quelle: DPA