Verwirrung bei e.dis-Kunden: Rechnungen für Netznutzung flattern ins Haus

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com
Der brandenburgische Regionalversorger e.dis Energie Nord AG stellt den Kunden, die sich für einen anderen Stromanbieter entschieden haben, Rechnungen für die Netznutzung. Dies erfuhr die Redaktion des strom magazins aus E-Mails, in denen verschiedene e.dis-Kunden um Rat fragten. Zu Recht zeigten sie sich verunsichert, denn sie hatten mit ihrem neuen Stromanbieter einen Brutto-Endpreis vereinbart, der alle anfallenden Kosten beinhaltet. Dementsprechend hätten die Kunden eigentlich nichts mit der Bezahlung dieser Rechnung zu tun, dies übernimmt der neue Lieferant. Die Rechnungen dienen somit lediglich der Information, was daraus jedoch nicht ersichtlich wird.


Reine Verwirrungsstrategie von e.dis? Der Regionalversorger aus Fürstenwalde ist im Markt dafür bekannt, nicht gerade ein einfacher Verhandlungspartner zu sein. Allerdings bewegt sich e.dis mit der Rechnungsstellung für Netznutzung an die Haushalts- und Gewerbekunden völlig im Rahmen der Verbändevereinbarung II. Diese sieht als eine der ersten Kriterien den Abschluss eines Netzanschlussvertrages zwischen Energieversorger und Netzkunde vor. Die meisten wechselwilligen Stromkunden bekommen diesen Vertrag allerdings nicht zu Gesicht, da sie ihrem neuen Stromanbieter eine Vollmacht erteilen, diesen Vertrag in ihrem Namen abzuschließen und alle weiteren Verhandlungen mit dem Regionalversorger für sie zu führen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Verwirrung bei einigen Kunden groß ist, wenn sie die Rechnung für die Kosten der Netznutzung im Briefkasten finden. "Wir haben einen Vertrag mit dem Kunden, deshalb bekommt er auch die Rechnung", rechtfertigt e.dis-Pressesprecher Horst Jordan das Vorgehen seines Unternehmens gegenüber dem strom magazin. Man sei nicht darüber informiert, welche Art Verträge der einzelne Kunde mit dem neuen Stromanbieter abgeschlossen hat und ob in diesen der Preis für die Netznutzung bereits enthalten sei. Deshalb sei die Rechnungslegung klar.


Sollte sich die Trennung von reinem Strompreis und Entgelt für Netznutzung im Markt einmal durchgesetzt haben (bisher trennt lediglich der Berliner Stromanbieter ares, allerdings schlägt er eine Pauschale auf, die nicht den deutschlandweit unterschiedlichen Netznutzungsentgelten entspricht), wäre das Vorgehen von e.dis besser verständlich. Derzeit sind jedoch in den Strompreisen der bundesweiten Anbieter die Netznutzungsentgelte enthalten. D.h. im Klartext: Der Kunde zahlt den vereinbarten Strompreis an seinen neuen Anbieter und das war es. Dieser muss sich nun darum kümmern, mit dem regionalen Netzbetreiber eine Einigung über die Nutzung der Netze zu finden. Diese Nutzung muss der neue Anbieter dann auch bezahlen. Der Kunde hat damit nichts mehr zu tun. Er kann die Rechnung der e.dis als reines Informationsblatt sehen. Das bestätigt auch e.dis-Pressesprecher Horst Jordan in einem Telefongespräch mit den strom magazin: "Wer mit seinem neuen Anbieter vereinbart hat, dass dieser die Netznutzung zahlt, braucht die Rechnung nicht zu zahlen. Das übernimmt der neue Stromanbieter."


Diese Information ist auf der Rechnung natürlich nicht enthalten. Darum muss sich die e.dis auch nicht kümmern. Deshalb ist das Vorgehen zwar rechtlich korrekt aber nicht kundenfreundlich. Wer also eine Rechnung über die Kosten der Netznutzung erhält, sollte sich umgehend mit seinem neuen Stromversorger in Verbindung setzen und mit diesem das Vorgehen absprechen.