Verwirrung bei Berliner Zeus-Kunden: Hat Zeus keinen gültigen Vertrag mit der Bewag?

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Seit einigen Tagen landen in der Mailbox des strom magazins zahlreiche Mails von verwirrten Berlinern, die eines gemeinsam haben: Sie sind Neukunden des Hamburger Stromanbieters "Zeus Strom AG". Viele von ihnen sollten seit Anfang Februar mit dem - im Vergleich zu den Preisen der Bewag - billigeren Strom aus Hamburg versorgt werden. Jetzt bekamen sie überraschend Post von ihrem alten Regionalversorger. Die Bewag schreibt, dass es keine gültigen Verträge mit der Zeus Strom AG gäbe, und dass die eigentlichen Zeus-Kunden nach wie vor den Strom von der Bewag bekämen. Dazu wäre man verpflichtet. Damit das allerdings auch so weiter geht, müssten die beiliegenden Vertragsunterlagen unterschrieben werden. Soweit die Ausgangslage.


"Wir haben alles versucht, um mit Zeus einen gültigen Vertrag zu schließen", versichert Bewag-Pressesprecher Siegfried Knopf im Gespräch mit dem strom magazin. "Aber nach Ablauf der Frist hat uns Zeus lediglich am 29. Februar ein Fax gesendet, in dem handschriftlich die Summe der Bankbürgschaft halbiert war. Damit ist das keine rechtswirksame Vereinbarung mehr", führte Knopf den Stand der Dinge aus. Die Zeus Strom AG sieht das anders. "Nach Rücksprache mit den Verantwortlichen der Bewag habe ich die Summe halbiert und den Vertrag vorab gefaxt. Natürlich haben wir das Original per Post versandt", beschreibt Cersten Klatt-Lauterbach, Zeus-Vorstand, gegenüber dem strom magazin die Sachlage. Obwohl es unüblich sei, eine Bankbürgschaft zu verlangen, sei Zeus generell bereit, eine zu geben - allerdings nicht in der vorgeschlagenen Summe. Da darüber mit der Bewag nach zähen Verhandlungen Einigkeit erzielt worden sei, wurde die Summe im Vertrag geändert.


Problematisch wird das Ganze dadurch, dass die Bewag jetzt alle 1600 Berliner Zeus-Kunden aufgefordert hat, einen neuen Vertrag mit der Bewag abzuschließen - und zwar für ein Jahr. "Wir haben die Kunden bereits abgerechnet. Wenn sie weiter Strom bekommen wollen, müssen sie mit uns einen neuen Vertrag abschließen. Neuverträge haben bei uns eine Laufzeit von 12 Monaten", erklärt Knopf. Cersten Klatt-Lauterbach empfiehlt seinen Kunden jedoch, nichts zu unterschreiben. "Das sind jetzt Zeus-Kunden und das bleiben sie auch." Die Zeus Strom AG will gegen die Vorgehensweise der Bewag jetzt kartellrechtliche Schritte einleiten, da ein diskriminierungsfreier Zugang zum Berliner Strommarkt nicht möglich ist.


Am 13. März ist ein klärendes Gespräch zwischen Zeus und Bewag angesetzt. Bis dahin gilt es abzuwarten. Aber der Fall ist ein erneuter Beweis dafür, dass es die neuen Energiediensleister mitunter schwer haben, sich gegen die etablierten ehemaligen Monopolisten durchzusetzen. Es muss ganz dringend eine einheitliche Regelung getroffen werden. Dafür wird sich auch der neugegründete "Verband der Freien Energiedienstleister" einsetzen.


Annika Krisp