Unterzeichnet

Vertrag zum Bau von Fusionskraftwerk ITER abgeschlossen

Die Europäische Union, Japan, Russland, die USA, China, Indien und Südkorea haben sich auf Details zum Bau des ersten internationalen thermonuklearen Fusionsforschungskraftwerks (ITER) verständigt. Im Jahr 2017 soll das in frankreich entstehende Kraftwerk betriebsbereit sein.

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Brüssel/Greifswald (ddp/sm) - Ein entsprechender Vertrag sei am Mittwoch in Brüssel von den sieben Partnern unterzeichnet worden, teilte das Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) am Freitag in Garching und Greifswald mit. Das Papier muss nun bis zum Jahresende von den Regierungen der Partnerstaaten ratifiziert werden.

Das rund 4,6 Milliarden Euro kostende Kraftwerk soll voraussichtlich bis zum Jahre 2017 im südfranzösischen Cadarache errichtet werden. Die Bauvorbereitungen beginnen den Plänen zufolge bereits im kommenden Jahr. Mit dem Experimentalreaktor wollen die Forscher beweisen, dass ein Energie lieferndes Fusionsfeuer unter kraftwerksähnlichen Bedingungen möglich ist.

Damit seien die seit November 2001 laufenden Verhandlungen endlich abgeschlossen, sagte der wissenschaftliche Direktor des IPP, Alexander Bradshaw. Der Bau von ITER werde der europäischen und deutschen Industrie zahlreiche Aufträge bescheren. Aber auch die deutschen Fusionsforschungseinrichtungen in Garching, Greifswald, Jülich und Karlsruhe könnten mit speziellen Forschungsaufträgen rechnen. Als Beispiele nannte Bradshaw die Suche nach optimierten Betriebsweisen für den Testreaktor, die Entwicklung von Teilen der Plasmaheizung sowie Analyseverfahren für das Plasma. In Greifswald entsteht derzeit mit dem Forschungsprojekt "Wendelstein 7-X" eine Laborvorstufe von ITER.

Ziel der Fusionsforschung ist es, ein Kraftwerk zu entwickeln, das ähnlich wie die Sonne aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie erzeugt. Mit einer Fusionsleistung von 500 Megawatt soll ITER erstmals ein brennendes und Energie lieferndes Plasma erzeugen. Angestrebt wird, dass mindestens das Zehnfache der zur Plasmaheizung aufgewandten Energie als Fusionsenergie gewonnen wird.

Die ITER-Baukosten werden zu 45 Prozent von der EU finanziert. Die verbleibende Summe teilen sich die anderen sechs Partner. Die Beiträge werden im Wesentlichen in Form fertiger Bauteile geliefert, die in den jeweiligen Ländern hergestellt und dann nach Cadarache transportiert werden.

Etwa 20 Jahre lang sollen in Cadarache bis zu 600 Forscher, Ingenieure und Techniker mit ITER nach den besten Lösungen für industriemäßige Fusionsforschungskraftwerke suchen. Die Betriebskosten werden, einschließlich der Rücklagen für den späteren Abbau, auf jährlich 265 Millionen Euro veranschlagt.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte die Fusion einen nachhaltigen Beitrag zur Energieversorgung der Zukunft leisten. Einerseits stünden die benötigten Rohstoffe nahezu unbegrenzt zur Verfügung. Andererseits gilt die Fusionstechnologie als relativ sicher und umweltfreundlich. Als radioaktiver Abfall würden lediglich die Wände des Plasmagefäßes zurückbleiben, die nach Betriebsende zwischengelagert werden müssten.

Von ddp-Korrespondent Ralph Sommer