Forschung

Vertrag zum Bau des ersten Fusionskraftwerks ITER unterzeichnet

Der Vertrag ist unter Dach und Fach: Das milliardenschwere Experimentalprojekt zur Kernfusionsforschung soll in den nächsten zehn Jahren in Südfrankreich errichtet werden. Rund 600 Wissenschaftler sollen dort arbeiten. Deutschland beteiligt sich mit bis zu 600 Millionen Euro an ITER.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris/Greifswald (ddp/sm) - Vertreter der Europäischen Union, Japans, Russlands, der USA, Chinas, Indiens und Südkoreas haben in Paris einen Vertrag zum Bau und Betrieb des ersten Fusionskraftwerks der Welt unterzeichnet. Demnach werde das 4,7 Milliarden Euro teure Experimentalprojekt mit dem Namen ITER in den nächsten zehn Jahren im südfranzösischen Cadarache errichtet, teilte das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) am Dienstag in Greifswald mit.

Mit ITER wollen Kernfusionsforscher demonstrieren, dass ein Energie lieferndes Fusionsfeuer unter kraftwerksähnlichen Bedingungen möglich ist. Nach 18 Jahren Forschungsvorlauf sollen im kommenden Jahr die Bauvorbereitungen beginnen. Deutschland werde sich bis 2016 mit etwa 500 bis 600 Millionen Euro an den Baukosten beteiligen, sagte der wissenschaftliche Direktor des IPP, Alexander Bradshawin. Wichtig sei jetzt, Aufträge für Bauteilfertigung und Entwicklungsaufgaben für die deutsche Industrie und Fusionsforschung zu sichern.

Das IPP ist bereits seit Jahren mit seinem Experiment "ASDEX Upgrade" in der Fusionsforschung tätig. Schwerpunkte sind die Suche nach optimierten Betriebsweisen für den Testreaktor, die Entwicklung einer Plasmaheizung und die Anwendung geeigneter Analyseverfahren für das Plasma. In Greifswald errichtet das Institut derzeit das Fusionsforschungsvorhaben "Wendelstein 7-X", das als letzte Laborvariante für das 500-Megawatt-Kraftwerk ITER gilt.

Ziel von ITER ist es, das Zehnfache der zur Plasmaheizung aufgewandten Energie als Fusionsenergie zu gewinnen. Nach einer Bauzeit von etwa zehn Jahren sollen rund 600 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker etwa 20 Jahre lang an der Anlage arbeiten. Europa übernimmt rund die Hälfte der Baukosten. Die verbleibende Summe teilen sich die anderen sechs Partner. Die Beiträge werden im wesentlichen in Form fertiger Bauteile geliefert, die in den jeweiligen Ländern hergestellt und dann nach Cadarache transportiert werden.