Gespeicherter Klimakiller

Versuch zur unterirdischen Lagerung von CO2 gestartet

Potsdamer Forscher haben ein in Europa einzigartiges Projekt gestartet. Sie wollen das Treibhausgas Kohlendioxid tief unter der Erde speichern und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In einer 700 Meter tiefen Gesteinsschicht sollen in den nächsten zwei Jahren rund 60.000 Tonnen CO2 gelagert werden.

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Potsdam (ddp-lbg/sm) - Seit 2004 arbeiten Forscher vom Potsdamer Geoforschungszentrum an dem Projekt "CO2SINK". Zu Testzwecken wollen sie dabei in Ketzin (Havelland) Kohlendioxid unter die Erde pumpen. Gestern haben die Bohrungen dafür begonnen, die bis zum Sommer dauern sollen. Dann sollen in den kommenden zwei Jahren 60 000 Tonnen des Treibhausgases in 700 Meter Tiefe gespeichert werden. "Wir wollen herausfinden, ob die CO2-Speicherung überhaupt machbar ist", sagte der Vorsitzende des Forschungszentrums, Rolf Emmermann.

Sollte es gelingen, das Gas unter der Erde zu speichern, könnte in Zukunft eine völlig neue Generation von emissionsarmen Kraftwerken und Fabriken entwickelt werden. Diese würden das Gas auffangen und direkt vor Ort in der Erde speichern. Denkbar seien aber auch Pipelines zu den Speichern, sagte Emmermann. Das Bundesumweltministerium unterstützt das Projekt. Mit Blick auf die Kohlevorräte in China sehe man auch im Ausland Einsatzmöglichkeiten für das Verfahren, sagte ein Ministeriumssprecher auf ddp-Anfrage.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass auf diesem Wege alleine bei den Kohlekraftwerken in Deutschland 90 Prozent der jährlich 250 Millionen ausgestoßenen Tonnen Gas nicht in die Atmosphäre gelangen würden. Für Luftverschmutzer wie Autos ist das Verfahren indes nicht geeignet.

Das Gas soll unter Ketzin in einer porösen Gesteinsschicht gelagert werden. Die darüber liegenden Schichten sollen ein Entweichen des Gases verhindern. "Der entscheidende Frage für die Praxistauglichkeit ist die Langzeitsicherheit derartiger Speicher und die dazu notwendige Entwicklung entsprechender Überwachungstechnologien", sagte Emmermann. Über zwei Bohrlöcher wollen die Wissenschaftler deshalb Messungen vornehmen. Auch an der Erdoberfläche werden die CO2-Werte überwacht. Mit den ersten Ergebnissen wird 2009 gerechnet.

Umweltschützer stehen der CO2-Speicherung jedoch kritisch gegenüber. Sie mache die alten Industriestrukturen hoffähig und behindere die Entwicklung regenerativer Energiequellen, lautet der Vorwurf. Auch Emmermann sieht in den Speicherung nur eine Übergangstechnologie. "Die Speicherung kann aber eine gute Option zum Zeitgewinn bei der Entwicklung CO2-freier Energietechnologien darstellen", sagte er.