Inkasso

Versorger kappen immer öfter Stromanschlüsse säumiger Kunden

Die Stadtwerke Erfurt klemmen pro Jahr etwa 2200 Schuldnern den Strom ab, die Drewag sitzt derzeit auf offenen Forderungen in Höhe von 20 Millionen Euro. Obwohl die Versorger die schlechte wirtschaftliche Lage vieler Verbraucher als Grund dafür sehen, würden viele die Zahlungsräume auch ohne Anlass extrem ausreizen.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (ddp-lth/sm) - Immer mehr verspätete oder ganz ausbleibende Zahlungen der Kunden sind für Versorgungsunternehmen in Mitteldeutschland sichtbarer Beweis für die wirtschaftlich schlechte Lage. In der Folge steigt auch die Zahl der Mahnungen. Die Stadtwerke Erfurt klemmen pro Jahr rund 2200 Mal Schuldnern den Strom ab, wie ein Sprecher des Unternehmens sagte. Die offenen Forderungen beliefen sich inzwischen auf Millionenbeträge.

Zwar sei die hohe Arbeitslosigkeit durchaus ein Grund für die Zahlungsschwierigkeiten der überwiegend privaten Schuldner. Jedoch reizten viele die Zahlungszeiträume auch ohne Anlass extrem aus. "Die Leute wissen ja, dass es schon eine Weile dauern kann, bis es tatsächlich zur Abschaltung kommt", erklärte der Sprecher. Allerdings sei zu erwarten, dass die Unternehmen bei neuen Verträgen künftig stärker auf die Liquidität von Kunden achteten.

"Strom ist eine Art Low-Interest-Produkt, das heißt, die Leute kaufen eher Lebensmittel als dass sie ihre Stromrechnung bezahlen", versuchte der Vertriebsleiter der Energieversorgung Nordhausen, Dirk Meißgeier, die Gründe für die leicht steigende Zahl von Abschaltungen bei den Kunden seines Unternehmens zu erklären. Die Anstieg der Arbeitslosigkeit führe in immer mehr Haushalten zu finanziellen Engpässen. "Wir haben hier in der Region immerhin eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent", betont Meißgeier.

Die Dresdner Stadtwerke Drewag erklärten, momentan auf offenen Forderungen von rund 20 Millionen Euro zu sitzen. Pro Jahr würden rund 6000 Stromanschlüsse bei säumigen Kunden gesperrt, sagte Sprecherin Corynn Müller. Kunden in finanzieller Not sollten jedoch nicht so lange warten, bis ihnen der Anschluss abgeklemmt werde. Das Unternehmen biete Beratung an, bei der nach einem annehmbaren Zahlungsmodus gesucht werde. Allerdings gebe es auch Schuldner, "die eine gewisse Energie dabei entwickeln, wie sie ihren Zahlungsverpflichtungen entgehen können". Deren Zahl mache aber nur einen geringen Anteil aus.

Auch in Sachsen-Anhalt weisen die Versorger darauf hin, dass Abschaltungen immer nur das letzte Mittel seien, um offene Zahlungen einzutreiben. Einvernehmliche Lösungen stünden im Vordergrund. "Wir sind nicht der große Inkasso-Drücker", sagte Thomas Zänger von den Stadtwerken Dessau. Dennoch habe sich das Unternehmen pro Jahr mit knapp 7000 Fällen unbezahlter Rechnungen herumzuschlagen.