Urteil

Versorger darf Stromkosten nicht einfach schätzen

Ein Energieunternehmen darf den Stromverbrauch eines Kunden nur dann schätzen lassen, wenn seinen Mitarbeitern das Ablesen der Stromzähler versagt wird. Das entschied das Landgericht Kleve in einem Berufungsurteil und gab damit einem Stromkunden Recht, der Nachforderungen nur teilweise erfüllt hatte.

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Kleve (ddp-nrw/sm) - In dem Rechtsfall hatte das Unternehmen den Stromverbrauch des Kunden geschätzt, weil dieser sich geweigert hatte, den Zähler selbst abzulesen, und das Unternehmen keinen Mitarbeiter zum Ablesen vorbeigeschickt hatte. Als dem Versorger der höhere Zählerstand bekanntgeworden war, stellte er dem Kunden für die zurückliegenden fünf Jahre berichtigte Verbrauchsabrechnungen aus und forderte Nachzahlungen. Der Kunde zahlte jedoch nur für zwei Jahre und weigerte sich ansonsten, den Forderungen in einer Resthöhe von 2800 Euro nachzukommen.

Das Gericht verwies darauf, dass das Unternehmen den Stromverbrauch nur dann hätte schätzen dürfen, wenn der Kunde das Ablesen durch einen Mitarbeiter verweigert hätte. Da dies nicht der Fall gewesen sei, basiere die Verbrauchsabrechnung auf einer "unzulässigen Schätzung". Diese könne nur innerhalb einer Frist von zwei Jahren berichtigt und nachgefordert werden.