Investitionen

Vermehrtes Interesse am Ökostrom bei den Stadtwerken

Stromkunden haben vermehrt Interesse an Ökostrom, so die Stadtwerke. Nun soll von Seiten der Stadtwerke in Ökostrom investiert werden, der Strompreis würde aber dadurch steigen. Die Expertenmeinung sieht aber anders aus. Demnach könnte der Strompreis maximal um ein Cent steigen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Mainz (dapd/red) - Angesichts der Reaktorkatastrophe in Japan wächst in Rheinland-Pfalz das Interesse an Ökostrom. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dapd verzeichnen die Stadtwerke einen leichten Anstieg der Nachfrage nach Strom aus erneuerbaren Energien. Vor den Ereignissen in Fukushima "ging die Nachfrage gegen null", sagte ein Sprecher der Stadtwerke Pirmasens. In den vergangenen Wochen hätten sich zwischen 20 und 30 Menschen nach Ökostrom erkundigt. Die Stadtwerke planen unterdessen millionenschwere Investitionen in die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen.

Mehrere Stadtwerke verzeichnen erhöhtes Interesse

Bei der Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH in Koblenz ist die Nachfrage nach Ökostrom ebenfalls gestiegen. Innerhalb eines Monats sei die Zahl der Kunden um 100 auf rund 1.200 gewachsen, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der erste Anbieter in Deutschland, der 50 Prozent seines Stroms aus Windkraft gewinnt. Geliefert wird seit Ende 2009.

Bei den Stadtwerken Trier ist dagegen von Wechselbereitschaft nichts zu spüren. Das hat seinen Grund: Seit 2007 werden nach Angaben des Unternehmens alle Privatkunden bereits mit Ökostrom versorgt. Ein Sondertarif habe den Umstieg schmackhaft gemacht. Die Stadtwerke zählen knapp 80.000 Stromkunden.

Die Stadtwerke Pirmasens versuchen ebenfalls, den Absatz von Ökostrom mit einem "Obolus für Kunden" zu erhöhen. Es gebe ein leicht steigendes Interesse. Bislang liegt nach Angaben eines Sprechers der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen am gesamten Energiemix der Stadtwerke bei 19 Prozent, bundesweit sind es 16 Prozent. Gas, Stein- und Braunkohle machen 74 Prozent, Kernkraft sieben Prozent aus.

Vermehrte Nachfrage soll Strompreis treiben

Ob sich an diesem Verhältnis etwas ändert, wird auch die aktuelle Diskussion über einen Ausstieg aus der Kernkraft beeinflussen. Der Wegfall von Strom aus Atomkraftwerken (AKW) wird nach Ansicht der Stadtwerke zu höheren Strompreisen führen, "weil erneuerbare Energien wie Sonne und Wind nicht so einfach zu steuern sind wie Atomkraft".

Der Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Hans Weinreute, sieht das anders. Sollten die sieben ältesten AKW dauerhaft vom Netz bleiben, dürfte der Preis "allerhöchstens um einen Cent pro Kilowattstunde steigen". Bei einem generellen Verzicht auf Atomkraft könnten aber die Strompreise um 20 Prozent in die Höhe klettern. Der mit dem Ausbau regenerativer Energien verbundene größere Wettbewerb unter Stromanbietern könnte jedoch den Preissprung abfedern.