"Tendenziös"

Vergleichsmarkt: VDN kritisiert Schlussfolgerungen der Bundesnetzagentur

Der Verband der Netzbetreiber (VDN) hat der Bundesnetzagentur vorgeworfen, aus den Daten des durchgeführten Vergleichverfahrens falsche Folgerungen zur Effizienz der Stromnetzbetreiber zu ziehen. CDU/CSU-Energieexperte Pfeiffer zeigte sich entgegen enttäuscht von der nicht erfolgten Veröffentlichung einzelner Daten.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Der Verband der Netzbetreiber (VDN) ist mit der Interpretation der Ergebnisse des Vergleichsverfahrens durch Bundesnetzagentur unzufrieden. Sie sei "tendenziös" und ignoriere viele wichtige Kostentreiber, hieß es als Reaktion auf den Veröffentlichung in Berlin.

"Aber genau diese ignorierten Kostentreiber führen bei verschiedenen Netzen zu völlig legitimen Kostenunterschieden pro Kilometer", rechtfertigte VDN-Geschäftsführer Dr. Konstantin Staschus die von der Bundesnetzagentur konstatierten großen Unterschiede. Der jetzige Vergleich der Bundesnetzagentur differenziere zwar nach der Absatzdichte, einem der wichtigsten Kostentreiber. Allerdings nutze er als einziges Vergleichskriterium die Kosten pro Kilometer. Diese würden aber selbst innerhalb einer Strukturklasse sehr stark variieren, sagte Staschuss, weshalb die Schlussfolgerungen der Netzagentur letztlich falsch seien.

So würden etwa praxisfremd ländliche mit städtischen Netzen innerhalb einer Klasse verglichen, obwohl schon die Stärke der nötigen Kabel und die optimale Wahl zwischen Kabel oder Freileitung zu deutlich höheren Kosten pro Kilometer in einer Stadt führen könnten. Gleiches gelte für die Häufigkeit der notwendigen Schalt- und Steuerungsanlagen sowie die Kosten der Kabelverlegung. Außerdem sei eine isolierte Betrachtung von Netz- und Umspannebenen oft verzerrend.

Für Staschus ist das Beweis genug, dass allein die Bandbreite der Kosten nicht auf Ineffizienzen schließen lasse. Die rasche Einführung einer Anreizregulierung mit sachgerechterem Benchmarking, das möglichst alle wichtigen Kostentreiber berücksichtigt, begrüßte der VDN indes.

Der Koordinator in Energiefragen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Joachim Pfeiffer, zeigte sich unterdessen enttäuscht von den Ergebnisse des Vergleichsverfahrens. Zwar zeige der Vergleich, dass innerhalb bestimmter Strukturklassen gravierende Kostenunterschiede bestehen. Haushalte und Industrie würden aber weiter im Dunkeln tappen, denn dem Kunden bleibe verborgen, wo sein Stadtwerk steht und wer die Ausreißer beim Vergleich sind.

Es sei nicht einzusehen, warum die namentliche Nennung der Unternehmen als Geschäftsgeheimnis gilt. Netzbetreiber - egal welcher Größe - seien Monopolisten, stünden also nicht im Wettbewerb und brauchten eine solche Offenlegung nicht zu fürchten. "Scheinbar haben Teile der Branche Angst vor dem Ergebnis, zeigt der veröffentlichte Vergleich zumindest, dass noch Effizienzreserven in den Netzen bestehen", so Pfeiffer weiter.