Aufklärung

Verbraucherzentralen bemängeln künstliche Verteuerung des Strompreises

Da bei Einführung des Zertifikathandels die Erzeuger kostenlos mit ausreichenden Zertifikatmengen bis 2007 ausgestattet worden seien und zudem derzeit noch kein nennenswerter Handel stattfinde, dürfe der Emissionshandel keine Auswirkungen auf die Kosten der Stromproduktion haben. Der vzbv fordert daher eine Aufklärung.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Mit großer Sorge verfolgt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Berichte über eine künstlichen Verteuerung des Strompreises an der Leipziger Strombörse EEX, möglicherweise durch den Missbrauch des Emissionshandels. Die großen Stromkonzerne sollen Kosten für Emissionsrechte auf Strom aufgeschlagen haben, obwohl sie ausreichend mit kostenlosen Zertifikaten ausgestattet worden seien.

"Wenn sich der Vorwurf erhärtet, dass die Erzeuger das umweltpolitische Instrument des Zertifikathandels missbrauchen, um Mitnahmeeffekte auf Kosten der Verbraucher zu erzielen, besteht dringender politischer Handlungsbedarf", forderte vzbv-Vorstand Dr. Edda Müller. Der Verband hatte bereits Anfang Juli die Aufsichtsbehörde des Leipziger Börsenplatzes aufgefordert, dem Verdacht von Preissteigerungen durch künstlich erhöhte Strompreise nachzugehen, ohne dass von dort bis heute eine Reaktion erfolgt sei.

"Die Zeche für die künstliche Verteuerung des Strompreises zahlt der Haushaltskunde", so Edda Müller weiter. Da bei Einführung des Zertifikathandels die Erzeuger kostenlos mit ausreichenden Zertifikatmengen bis 2007 ausgestattet worden seien und zudem derzeit noch kein nennenswerter Handel stattfinde, dürfe der Emissionshandel keine Auswirkungen auf die Kosten der Stromproduktion haben. "Wir haben deshalb Bundesumweltminister Trittin um Aufklärung gebeten", sagte Müller heute in Berlin.

Das Prinzip scheint einfach, wie ein zu Beginn der Woche von der Frankfurter Rundschau veröffentlichtes Rechenexempel zeigt: Ein Stromerzeuger handelt über die Strombörse beispielsweise 1000 Kilowattstunden Strom, für den kostenlos zugeteilte Emissionsrechte vorliegen, zu einem Preis von drei Cent. Vertreibt der Erzeuger darüber hinaus eine weitere Kilowattstunde, für die er ein zusätzliches Emissionszertifikat für einen Cent erworben hat, erhöhen sich die Kosten für diese Kilowattstunde auf vier Cent. In der Gesamtkalkulation würde dies jedoch kaum ins Gewicht fallen. Anders die Kalkulation der Stromkonzerne: Anscheinend berechnen sie den "Emissions-Aufschlag" von einem Cent auch für die übrigen 1000 Kilowattstunden und verkaufen den gesamten Strom für vier Cent je Kilowattstunde. "Durch diesen Trick treiben sie den Strompreis weiter in die Höhe und erzielen Mitnahmeeffekte auf Kosten der Verbraucher", monierte Edda Müller abschließend.