Mehr Transparenz gefordert

Verbraucherzentrale und Mieterbund präsentieren Vorschlag für Energiepass

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Deutsche Mieterbund (DMB) fordern in einem jetzt vorgelegten Gutachten einen einheitlichen, objektiven und verständlichen Energiepass zur Kennzeichnung des Energiebedarfs von Immobilien. Sie befürchten eine Verwässerung der bisher geplanten Ziele.

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Berlin (red) - "Die Bundesregierung muss umgehend einen Energiepass präsentieren, der es privaten Käufern und Mietern ermöglicht, den Energiebedarf einer Immobilie auf den ersten Blick zu erkennen", so Mieterbund-Direktor Dr. Franz-Georg Rips und vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller. Angesichts explodierender Energiepreise und des Klimawandels sei der Energiepass als Transparenzinstrument eine riesige Chance für mehr Wettbewerb und Innovation. Gleichzeitig wird der Energiepass Investitionen auslösen und damit Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Durch die Pläne der Bundesregierung droht eine Verwässerung der mit dem Energiepass verfolgten Ziele.

Der vzbv und der DMB haben ein Gutachten mit konkreten Vorschlägen für einen informativen und verständlichen Energiepass vorgestellt. Dabei werden Gebäude nach dem bekannten Vorbild der Haushaltsgeräte in Effizienzklassen von A bis I eingeteilt. Gleichzeitig erhalten Nutzer Informationen zur Qualität der Gebäudedämmung und der Heizungstechnik. "Durch diesen Pass würde die Energieeffizienz eines Gebäudes vergleichbar und damit ökonomisch relevant", so die beiden Organisationen. Sie kritisierten Pläne, wonach der Energiepass lediglich eine "standardisierte Heizkostenabrechnung mit einer Sammlung allgemeiner Energiespartipps" wäre. "Wenn die Bundesregierung ihre ambitionierten Ankündigungen im Koalitionspapier zur energetischen Gebäudesanierung wirklich ernst meint, muss sie unsere Vorschläge zum Energiepass aufgreifen . Der Energiepass darf nicht zu einer Minimal-Pflichtübung verkommen."

"Es ist endlich an der Zeit, die Energiedaten von Immobilien für Verbraucher transparent und vergleichbar zu machen", sagte Dr. Franz-Georg Rips, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes. Er bezeichnete die Intransparenz im Gebäude- und Wohnungsmarkt als Hindernis für sinnvolle Investitionen und Modernisierungen und daraus resultierende Wohnkostensenkungen. "Preisgünstige Haushaltsgeräte sind mit umfassenden Bedienungsanleitungen und Qualitätsbeschreibungen versehen, während es für Immobilien noch immer keine aussagekräftigen und vergleichbaren Standards gibt." Der energetische Zustand müsse zum Qualitätsmerkmal für Gebäude und Wohneinheiten werden. So sollte in Vermietungsanzeigen künftig auch die Bewertung der Energieklasse der Wohnung stehen.

Der vzbv sieht im Energiepass ein Paradebeispiel für die enormen wirtschaftlichen Chancen durch eine verbesserte Verbraucherinformation. "Wir haben eine absolute Win-Win-Situation: Kosten werden gesenkt, die Umwelt geschützt, Wettbewerb belebt, Innovationen angestoßen und es werden Mittel für den privaten Konsum in Milliardenhöhe freigesetzt", sagte Edda Müller. Ein Wohnungsbesitzer, der seine Wohnung wegen einer schlechten Heizungsanlage oder einer schlechten Dämmung nicht loswird, werde sich künftig überlegen, in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Für den vzbv ist der Energiepass die "längst fällige Antwort auf die stetig steigenden Energiekosten". Es sei paradox: Auf der einen Seite machen Rekordpreise für Energie den Verbrauchern zu schaffen, auf der anderen Seite fehlt die Transparenz für eine gezielte Nachfrage nach energieeffizientem Wohnraum. Durch geeignete Maßnahmen ließen sich die Heizkosten einer unzureichend energiegedämmten Altbauwohnung um bis zu 90 Prozent senken.

Das Gutachten steht im Internet zum Download zur Verfügung.

Weiterführende Links
  • Studie zum Energiepass (1,3 MB)