Keine Lippenbekenntnise mehr

Verbraucherverband fordert verbindlichen Energieplan

Der vzbv fordert einen nationalen Energieplan, in dem Ziele, Zwischenschritte und Instrumente verbindlich festlegt werden. Es müsse heute schon festgelegt werden, dass u.a. der jährliche Energiebedarf von Wohngebäuden gesenkt und Geräte mit hohem Stand-by-Verbrauch verboten würden.

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Berlin (red) - Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) hat die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Erstellung einer neuen nationalen Energiestrategie und die Einberufung eines Energiegipfels begrüßt. "Spätestens seit den Ereignissen der vergangenen Wochen müsste jedem klar sein, dass die Zeit der Lippenbekenntnisse und der unverbindlichen Konzepte in der Energiepolitik vorbei sein muss", kommentierte vzbv-Fachbereichsleiter Dr. Holger Krawinkel. Symbolpolitik dürfe es nicht mehr geben.

Der vzbv fordert daher einen nationalen Energieplan, in dem Ziele, Zwischenschritte und Instrumente verbindlich festlegt werden. Konzepte seien bereits ausreichend vorhanden. Angesichts der Größe der Herausforderungen gehöre die Energiepolitik zurück ins Zentrum staatlicher Aufgaben. Zur Umsetzung der Energiestrategie schlägt der vzbv die Einrichtung eines staatlichen Kompetenzzentrums, vergleichbar dem Umweltbundesamt, vor. Dieses müsse unabhängig von kommerziellen, insbesondere energiewirtschaftlichen Interessen agieren.

Als Eckpfeiler einer zukunftsfähigen Energiestrategie definiert der vzbv neben der Kosteneffizienz die Sicherheit und Unabhängigkeit der Versorgung, die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen sowie den Abbau von Risiken für Mensch und Umwelt. An diesen Zielen müssten sich die festgeschriebenen Instrumente und Maßnahmen ausrichten. "Energiesparen, effiziente Techniken und erneuerbare Energien sind die richtigen Antworten zur Lösung der Energieprobleme", so Holger Krawinkel. Die richtigen Stichpunkte seien im Koalitionspapier bereits genannt.

"Jahrelange Debatten über neue Einsparziele bei Wohngebäuden können wie uns nicht mehr leisten", so Krawinkel weiter. Es müsse heute schon festgelegt werden, dass mit Zwischenschritten der jährliche Energiebedarf von Wohngebäuden spätestens 2012 auf drei bis vier Liter Heizöl je Quadratmeter Wohnfläche verbindlich vorgeben wird. Bei Neubauten müsse der Einsatz von Solaranlagen zur Warmwassererwärmung Neubauten obligatorisch werden. Geräte mit einem Stand-by Bedarf von mehr als einem Watt müssten auf Grundlage der verabschiedeten EU-Ökodesign-Richtlinie bis spätestens 2007 verboten werden. Und auch bei den Pkw sollte verbindlich festgelegt werden, dass der Flottenverbrauch von heute knapp sieben auf 3,5 Liter je 100 Kilometer bis zum Jahr 2012 zu halbieren ist.

Für die Verbraucher sei wegen der hohen Kosten besonders beim Energieverbrauch die Produkttransparenz wichtig. "Wir fordern daher eine klare und einheitliche Kennzeichnung von Geräten, Autos und Wohnungen nach dem ursprünglichen Kühlschrankmodell mit den Klassen A, B und C. Die C-Klasse würde die Erfüllung der Mindestnorm bedeuten. Bei Haushaltsgeräten hat sich dieses Modell bereits bewährt und dazu geführt, dass Energiefresser kaum noch zu finden sind."