Höhere Gewinne

Verbraucherschützer kritisieren E.ON-Chef Bernotat

Die Äußerungen von E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat, wonach Strom in Deutschland "eigentlich zu billig" sei, stoßen bei Konsumentenschützern auf Kritik. Der Bund der Energieverbraucher nennt die Aussagen deplaziert und schätz, dass der Strom pro Kilowattstunde etwa fünf Cent zu viel koste.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt/Main (ddp/sm) - "Ich verstehe, dass Herr Bernotat gerne höhere Strompreise hätte, weil höhere Strompreise natürlich höhere Gewinne für E.ON bedeuten", sagte der Energie-Experte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, der "Frankfurter Rundschau". Er räumte ein, dass durch den notwendigen Bau neuer Kraftwerke demnächst "die Erzeugerpreise nach oben gehen könnten. Mehr Wettbewerb und effizientere Netze können das aber ausgleichen, so dass die Preise relativ stabil bleiben", sagte er.

Ausdrücklich warnte der Verbraucherschützer die Bundesregierung davor, deutsche Stromkonzerne vor angeblich drohender Zerschlagung aus Brüssel zu schützen: "Es wäre sehr unklug, wenn die Bundesregierung das Instrument der Netzentflechtung aus der Hand gibt. Die Politik muss im Interesse der Verbraucher für niedrige Preise sorgen, anstatt Schutzversprechen zu geben." Die Trennung von Stromerzeugung und -Netzen sei "von großer Bedeutung, weil sie unabhängigen Stromhändlern bessere Marktchancen einräumt und damit letztlich auch den Verbrauchern niedrigere Preise", sagte Krawinkel.

Auch Aribert Peters, Sprecher des Bundes der Energieverbraucher, zeigte sich empört über Bernotat. "Solche Äußerungen sind geschmacklos und deplatziert, wenn sie von Unternehmen kommen, die für die Energiepreise verantwortlich sind", sagte er. Es gebe keine sachliche Rechtfertigung für Preissteigerungen, kritisierte er. Nach Einschätzungen des Verbandes sind die aktuellen Strompreise pro Kilowattstunde im Schnitt um fünf Cent überhöht. "Wir fordern dringend dazu auf, gegen die Marktmacht der Energiekonzerne vorzugehen, weil das unser Land zu Grunde richtet", sagte Peters.